2. Sonntag nach Weihnachten (Lesejahr C), 3. Jänner 2010
Ausgabe: 2009/52
22.12.2009
Ein Wort braucht ein „Du“, ein Gegenüber. Wenn man Kindern, die etwas sagen wollen, nicht genug Beachtung schenkt, dann beginnen sie oft ihr Gegenüber zu berühren, manchmal drehen sie sogar den Kopf des anderen zu sich hin, um ihr Anliegen anzubringen. Auch Gottes Wort braucht dieses Gegenüber, um in unserer Welt gehört zu werden.
Evangelium: Joh 1, 1–18
Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst. Es trat ein Mensch auf, der von Gott gesandt war; sein Name war Johannes. Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen. Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht. Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit. Johannes legte Zeugnis für ihn ab und rief: Dieser war es, über den ich gesagt habe: Er, der nach mir kommt, ist mir voraus, weil er vor mir war. Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade. Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus. Niemand hat Gott je gesehen. Der einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.
1. Lesung: Jes Sir 24, 1–2. 8–12
Die Weisheit lobt sich selbst, sie rühmt sich bei ihrem Volk. Sie öffnet ihren Mund in der Versammlung Gottes und rühmt sich vor seinen Scharen: Der Schöpfer des Alls gab mir Befehl; er, der mich schuf, wusste für mein Zelt eine Ruhestätte. Er sprach: In Jakob sollst du wohnen, in Israel sollst du deinen Erbbesitz haben. Vor der Zeit, am Anfang, hat er mich erschaffen, und bis in Ewigkeit vergehe ich nicht. Ich tat vor ihm Dienst im heiligen Zelt und wurde dann auf dem Zion eingesetzt. In der Stadt, die er ebenso liebt wie mich, fand ich Ruhe, Jerusalem wurde mein Machtbereich. Ich fasste Wurzel bei meinem ruhmreichen Volk, im Eigentum des Herrn, in seinem Erbbesitz.
2. Lesung: Eph 1, 3–6. 15–18
Die Gepriesen sei Gott, der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus. Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel. Denn in ihm hat er uns erwählt vor der Erschaffung der Welt, damit wir heilig und untadelig leben vor Gott; er hat uns aus Liebe im voraus dazu bestimmt, seine Kinder zu werden durch Jesus Christus und zu ihm zu gelangen nach seinem gnädigen Willen, zum Lob seiner herrlichen Gnade. Er hat sie uns geschenkt in seinem geliebten Sohn. Darum höre ich nicht auf, für euch zu danken, wenn ich in meinen Gebeten an euch denke; denn ich habe von eurem Glauben an Jesus, den Herrn, und von eurer Liebe zu den Heiligen gehört. Der Gott Jesu Christi, unseres Herrn, der Vater der Herrlichkeit, gebe euch den Geist der Weisheit und Offenbarung, damit ihr ihn erkennt. Er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen seid, welchen Reichtum die Herrlichkeit seines Erbes den Heiligen schenkt.
Im Anfang war das Wort
Das Wort Gott Ein Kind Wehrlos
Das Wort Gott Zerbrechlich In einem Menschen
Das Wort Gott Wehrlich Zerbrechlich
Kindlich
Mensch Wehrlos Zerbrechlich Kindlich Und nur so Gott ähnlich.
Hildegard Nies
Wort zum Sonntag
Von Menschenwort und Gotteswort
„Ich hab’ Religion so gern, weil Sie haben immer wieder einmal Zeit uns zuzuhören!“ Dieser Satz, ein wenig schräg und doch eindeutig, klingt mir noch heute in den Ohren. Die Schülerin, die ihn vor etlichen Jahren ganz nebenbei und doch mit Überzeugung gesagt hat, ist längst erwachsen. In mir blieb die Gewissheit, dass es gut tut, neben all dem, was ich als Lehrerin sagen und weitergeben will, hinzuhören auf die leisen und lauten Anfragen und Bemerkungen der Jugendlichen.„Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott.“ Mit diesem Satz, den wir im Evangelium lesen, beginnt das Johannesevangelium. Im griechischen Text steht das Wort „Logos“ und wir erfahren im Laufe des Textes, dass mit diesem „Logos“ Jesus Christus gemeint ist. Jesus ist in seiner Person Mensch gewordenes Wort Gottes. Ein Wort braucht ein „Du“, ein Gegenüber. Wenn man Kindern, die etwas sagen wollen, nicht genug Beachtung schenkt, dann beginnen sie oft ihr Gegenüber zu berühren, manchmal drehen sie sogar den Kopf des anderen zu sich hin, um ihr Anliegen anzubringen. Auch Gottes Wort braucht dieses Gegenüber, um in unserer Welt gehört zu werden. Als Vorbild und Modell für einen Menschen, der auf Gottes Wort hört und es weitergibt, stellt der Text Johannes den Täufer vor. Während er uns in den anderen Evangelien als Wegbereiter und Vorläufer Jesu begegnet, ist er im Johannesevangelium vor allem Zeuge für Gott. Er steht damit in einer Reihe mit denen, die den Logos, das Mensch gewordene Wort Gottes aufnehmen. Ihnen gegenüber steht eine andere Gruppe. Auch sie sind „die Seinen“, aber sie nahmen ihn nicht auf. Und wo stehen wir?
Zum Weiterdenken
„Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“ Vor zehn Tagen haben wir die Menschwerdung Jesu gefeiert, von der das Evangelium erzählt. Was wird davon bleiben im Laufe des Jahres? Vielleicht die Bereitschaft, auch im Alltag auf sein Wort zu hören.
Petra Bucher-Spielmann unterrichtet Religion an der HS Absam
Die Autorin erreichen Sie unter sonntag@kirchenzeitung.at