Die europäische Partner-Kulturhauptstadt trotzte der Wirtschaftskrise
Ausgabe: 2010/01, Vilnius, Kulturhauptstadt, Wirtschaftskrise, Lebenszeichen, Severinakademie
05.01.2010
- Judith Lewonig
Traditon und Moderne in Vilnius. Die KirchenZeitungsReise nach Vilnius bot den 80 Reiseteilnehmer/innen spannende Begegnungen in der Kulturhauptstadt.
Die KirchenZeitungs-Reise führte im Frühjahr in das Baltikum und nach Vilnius – mit Linz europäische Kulturhauptstadt Europas 2009. Was sich in Vilnius ereignet hat, schildert KIZ-Korrespondentin Judith Lewonig aus Vilnius.
Vilnius hat den Titel „Kulturhauptstadt Europas“ am 12. Dezember symbolisch an die drei Kulturhauptstädte 2010 übergeben – in Form eines weißen „angeliukas“ (Engelchen), Symbolfigur der Stadt Vilnius für gute Botschaften: Pecs in Ungarn und Essen für das Ruhrgebiet folgen Vilnius und Linz als zweites offizielles Kulturhauptstadt-Paar aus einem „neuen“ und einem „alten“ EU-Mitgliedsland, Istanbul kommt als dritte Stadt dazu. Doch zu Ende war damit das Kulturhauptstadtjahr in Vilnius keineswegs. Die erste Kulturhauptstadt Europas einer ehemals unfreiwilligen Sowjetrepublik schloss erst in den letzten Dezembertagen als „Organopolis“ mit gleichzeitigen Orgelkonzerten und Übertragungen in verschiedenen Kirchen und Brian Enos legendärer „Music for Airports“ am Vilniusser Flughafen sowie einer Theaterpremiere.
Kräftiges Lebenszeichen. Die Kulturhauptstadt Vilnius lebte sehr aktiv unter dem Motto „Kultura gyvai“, international „Culture live“, obwohl die Stadt insbesondere in deutschsprachigen Medien seit Jahresbeginn 2009 immer wieder „totgesagt“ wurde und in tiefer Rezession mit einem 15-prozentigen Wirtschaftsrückgang leben musste.
Viele „Gänsehautmomente“. Trotz Budgetreduzierung um 14,4 Millionen Euro und Verlust eines Hauptsponsors – die litauische Fluglinie flyLAL ging Mitte Jänner 2009 Bankrott – blieb eine um rund sieben Prozent „abgespeckte“ faszinierende Programm-Mischung von national und international, von Tradition und Neuem, mit vielen Gänsehautmomenten. Oratorium-Uraufführung in der Bernhardinerkirche, Kunstschaffen in Kinderkrebsklinik, Klezmer-Festival im Klosterhof und vieles mehr.
Kulturhauptstadt leben. Vilnius machte „Kulturhauptstadt Europas“ nicht nur für Gäste spürbar und erlebbar, die Menschen lebten selbst Kulturhauptstadt und Kultur. Kreativität statt Jammern in der Krise war angesagt. – Und damit beeindruckten sie auch viele Linzer Gäste, ob im Rahmen von Projekten oder von Reisen. „Jetzt verstehen wir dich, warum du in Vilnius lebst“, sagten mir Teilnehmer/innen am Ende der KirchenZeitungs-Reise, die ich Ende April sechs Tage durch Litauen begleitet hatte. Vilnius, historische Multi-Kulturstadt, und Litauen sind auch nach 2009 einen Besuch wert.
Severinakademie: Kirche bei Linz09
Hat das Kulturhauptstadtjahr die Wahrnehmung von Kirche im öffentlichen Raum verändert und was bleibt davon? – Fragen wie diesen geht die Severinakademie am 12. Jänner um 19 Uhr in der Kath.-Theol. Privatuni nach. Das Thema lautet: „Spuren – Eindrücke – Bleibendes. Der Beitrag der Diözese Linz zum Kulturhauptstadtjahr 2009, ein Rückblick in Wort und Bild“. Es begrüßt Dr. Paul Stepanek vom Forum St. Severin, Gesprächspartner sind: Dr. Ulrich Fuchs, Stv. Intendant von Linz09, und MMMag. Hubert Nitsch, Kunstreferent und Projektentwickler für Linz09-Turmeremit), musikalische Gestaltung: „Voices“. - Severinakademie, KTU, Dienstag, 12. Jänner, 19 Uhr.