Es ist bestimmt nicht einfach, aber möglich: eine Gewohnheit abzulegen oder sich eine neue anzueigenen. Wer es geschafft hat, kann zufrieden auf einen meist steilen Weg zurückblicken.
„Im neuen Jahr werde ich mehr ...“ oder „Im neuen Jahr werde ich nicht mehr …“ So gut überlegt und ehrlich vorgenommen Vorsätze auch sind, so schwer ist es doch, sie in die Tat umzusetzen.
Gewohnheiten sind an sich nichts Schlechtes. Wenn wir immer über Entscheidungen nachdenken müssten, würden wir nicht viel schaffen an einem Tag. Bis zu 90 Prozent dessen, was wir im Alltag tun, läuft fast automatisch ab: Wir überlegen nicht lange, wie wir den Frühstückstisch decken, Zähneputzen oder das Auto starten …
Gewohntes überdenken. Manchmal überdenken wir unsere Gewohnheiten, und der Jahreswechsel ist für viele ein Anlass dafür. Es gibt auch ungesunde oder lästige Gewohnheiten, oder solche, die andere stören. Einen Vorsatz fasst jemand, der sich von einer Gewohnheit verabschieden will, um Platz für Neues zu machen. Die Statistik ist ernüchternd. Laut einem Artikel im Magazin „Psychologie heute“ erreichen nur acht Prozent aller Änderungswilligen ihr Ziel. Es ist also gar nicht einfach, sich etwas abzugewöhnen. Am meisten wehrt sich unser Gehirn, denn einmal Gelerntes ist wie eingebrannt. Es muss durch etwas Neues ersetzt werden. Dazu muss man Energie, Übung und Durchhaltevermögen haben. Sechs bis zwölf Monate braucht das Gehirn, um neu „programmiert“ zu sein. Das ist auch der Grund, warum so viele Neujahrs-Vorsätze in den ersten Tagen und Wochen scheitern.
Ziele setzen. Wer dauerhaft etwas ändern möchte, muss überdenken, warum er das will. Zum Beispiel: „Ich will mich in meinem Körper wohlfühlen.“ Die Vorstellungen sollen möglichst konkret sein. „Mehr Zeit für dieFamilie“ klingt gut, aber was ist das wirkliche Ziel? Wer sich nach einem stressreichen Tag immer mit Alkohol oder Süßigkeiten belohnt, sollte auch fragen, woher der Stress kommt. Dann darf man aber nicht bei dieser Analysehängen bleiben, sonst wird sie zur „Entschuldigung“ für eine schlechte Gewohnheit. Man muss darüber hinaus schauen, was möglich wäre. Etwa: „Wie gut werde ich mich nach einem langen Lauf fühlen?“.
Los geht’s. Ratgeber für ein besseres Leben gibt es meterweise in allen Buchhandlungen, es werden unzählige Seminare in Bildungseinrichtungen zum Thema veranstaltet. Was sie alle nicht abnehmen können ist: Tun! Dazu noch ein Rat der Experten: Wer eine Art Tagebuch über Erfolge oder Rückfälle führt, ist erfolgreicher bei der Umsetzung neuer Gewohnheiten.
Rückschläge. Bei Rückfällen besteht die Gefahr, dass man sich insgesamt abwertet („Ich bin einfach nicht stark genug.“). Doch Rückfälle beweisen nur, dass die alten Bahnen im Gehirn noch da sind und funktionieren. Sie führen zu mehr Selbsterkenntnis. Ein Vorsatz kann trotzdem weiterverfolgt werden: Jeden Tag, nicht erst mit dem nächsten neuen Jahr.
Zu zweit geht es leichter
Johannes, 37, hat vor 9 Jahren aufgehört zu rauchen: „Das war eine bewusste Entscheidung, nicht nur weil gerade Neujahr war. Eigentlich habe ich nur noch einen passenden Termin gebraucht. Meine Frau hat auch mitgemacht, und da wollte ich mir nicht die Blöße geben, der erste zu sein, der aufgibt. Zu zweit war das sicher leichter.Ich denke, wenn man am 31. Dezember um 23 Uhr die Entscheidung trifft, im neuen Jahr nicht mehr zu rauchen, dann funktioniert das nicht. Für mich hat es nur die Optionen gegeben: Entweder ich finde mich damit ab, dass ich am Morgen huste und spucke, oder ich hör damit auf.“
Genießen statt verbieten
Maria, 45, hat 15 Kilogramm abgenommen und hält ihr Gewicht seit 13 Jahren: „Ich war ein sehr schlankes Mädchen und bin dann richtig rund geworden. Je mehr ich mir vorgenommen hab’, weniger zu essen, desto weniger ist mir das gelungen. Irgendwann habe ich erkannt, dass ich denken muss: ,Ich werde schlank‘ und nicht: ,Ich darf nichts essen‘. Ich habe alles gegessen, was ich wollte, nur weniger und bewusster, und habe aufgehört, wenn ich satt war. Irgendwann habe ich mich wohlgefühlt in und mit meinem Körper. Ich steige alle paar Wochen auf die Waage. Seit mir egal ist, was sie anzeigt, bleibt mein Gewicht gleich!“