Ausgabe: 2010/01, Brücken, Glück, Fellinger, Leitartikel, Herodes, Krippe, Kind, Mutter
05.01.2010
Lassen wir den Herodes einmal beiseite, und welch heimtückischen Plan er mit den Sterndeutern hatte. Dem Augenblick, in dem diese das Kind und seine Mutter sahen, soll das Augenmerk gelten. Es heißt, sie fielen nieder und huldigten dem Kind.Diese Geste steht nun da am Anfang des neuen Jahres. Sie pflanzten sich nicht auf vor der Krippe, rückten nicht ihre Orden zurecht, haben sich auch nicht mit ihren Verdiensten vorgestellt. Im Gegenteil: Im Staunen sind sie ganz klein geworden.
Mit solcher Haltung ließe sich ein neues Jahr besser beginnen als mit großen Plänen und Ankündigungen. Zuerst einmal ist Ehrfurcht angebracht. Das Wichtigste gilt es nicht erst zu erreichen. Es ist da – dieses Kind in der Krippe. Alles Vornehmen und Planen soll daran gemessen werden. Es heißt in der Schrift auch, große Freude habe sie beim Anblick erfüllt. Auch die Freude gilt es nicht erst zu erreichen. Sie stirbt nicht, wenn Pläne nicht aufgehen und Erwartungen nicht erfüllt werden. Sie ist schon da, von Anfang an mitgegeben. Aber: Man muss sich bücken um sie erfahren zu können. Diese Freude nicht auszublasen oder abzutöten – das wäre Vorsatz genug für ein neues Jahr.