Ausgabe: 2010/01, Sonntag, Taufe des Herrn, Lesejahr C, Menschen, Gott, Petra Bucher-Spielmann, Wort zum Sonntag, Schuhbänder öffnen, Psalm 104, 1–2.24.27–28, lobe den Herrn, barfuß, Messias, Evangelium, Lesung, Gottes Wille
05.01.2010
Evangelium
Lk 3, 15–16. 21–22
Das Volk war voll Erwartung, und alle überlegten im Stillen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Messias sei. Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch nur mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. [. . .] Zusammen mit dem ganzen Volk ließ auch Jesus sich taufen. Und während er betete, öffnete sich der Himmel, und der Heilige Geist kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab, und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.
1. Lesung
Jes 42, 5a. 1–4. 5–6
So spricht Gott der Herr: [. . .] Seht, das ist mein Knecht, den ich stütze; das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen. Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt, er bringt den Völkern das Recht. Er schreit nicht und lärmt nicht und lässt seine Stimme nicht auf der Straße erschallen. Das geknickte Rohr zerbricht er nicht, und den glimmenden Docht löscht er nicht aus; ja, er bringt wirklich das Recht. Er wird nicht müde und bricht nicht zusammen, bis er auf der Erde das Recht begründet hat. [. . .] Ich, der Herr, habe dich aus Gerechtigkeit gerufen, ich fasse dich an der Hand. Ich habe dich geschaffen und dazu bestimmt, der Bund für mein Volk und das Licht für die Völker zu sein: blinde Augen zu öffnen, Gefangene aus dem Kerker zu holen und alle, die im Dunkel sitzen, aus ihrer Haft zu befreien.
2. Lesung
Apg 10, 34–38
Da begann Petrus zu reden und sagte: Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht, sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist. Er hat das Wort den Israeliten gesandt, indem er den Frieden verkündete durch Jesus Christus; dieser ist der Herr aller. Ihr wisst, was im ganzen Land der Juden geschehen ist, angefangen in Galiläa, nach der Taufe, die Johannes verkündet hat: wie Gott Jesus von Nazareth gesalbt hat mit dem Heiligen Geist und mit Kraft, wie dieser umherzog, Gutes tat und alle heilte, die in der Gewalt des Teufels waren; denn Gott war mit ihm.
Lobe den Herrn, meine Seele!
Herr, mein Gott, wie groß bist du! Du bist mit Hoheit und Pracht bekleidet. Du hüllst dich in Licht wie in ein Kleid, du spannst den Himmel aus wie ein Zelt. [. . .] Herr, wie zahlreich sind deine Werke! Mit Weisheit hast du sie alle gemacht, die Erde ist voll von deinen Geschöpfen. [. . .] Sie alle warten auf dich, dass du ihnen Speise gibst zur rechten Zeit. Gibst du ihnen, dann sammeln sie ein; öffnest du deine Hand, werden sie satt an Gutem.
Psalm 104, 1–2. 24. 27–28
Wort zum Sonntag
Schuhbänder öffnen
Wann haben Sie das letzte Mal jemandem die Schuhbänder auf- oder zugebunden? Und wann wurden Ihnen selbst das letzte Mal die Schuhe auf- oder zugebunden? Was für Eltern, Großeltern und Geschwister von kleinen Kindern sowie für Menschen, die kranke und alte Menschen pflegen, selbstverständlich ist, ist für andere eine Erinnerung an längst vergangene Zeiten. Und doch ist uns allen klar, dass das Lösen oder Binden von Schuhriemen eine sehr persönliche Angelegenheit ist, etwas, das Nähe schafft. Zur Zeit Jesu gingen viele Menschen barfuß. Wer Schuhe hatte, brauchte sie von Berufs wegen, etwa Hirten und Soldaten, oder war zumindest nicht ganz arm. Das Auf- und Zubinden von Schuhriemen war, wenn man es nicht selbst machte, die Arbeit von Sklaven. Nun sagt Johannes der Täufer im Evangelium, dass er nicht einmal wert ist, dem schon lange erwarteten Messias die Schuhriemen zu lösen. Damit macht er mit einem Satz die Hoffnung jener zunichte, die gedacht hatten, Johannes sei möglicherweise der Messias. Aber er zeigt auch, dass der Messias jemand ganz Besonderer ist. Er ist stärker als Johannes und er tauft mit heiligem Geist und Feuer und nicht „nur“ mit Wasser. Umso gewöhnlicher erscheint die Tatsache, dass dieser Messias sich zusammen mit dem ganzen Volk taufen lässt. Erst Jesu Gebet öffnet den Himmel und was geschieht, spiegelt das Weltbild der damaligen Zeit wider: wenn sich der Himmel öffnet, erhält man die Möglichkeit des Einblicks bzw. Zutritts in die Welt Gottes. Das Herabkommen des Geistes und die Stimme, die sagt: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden“, macht deutlich, dass Jesus in engem Kontakt mit Gott steht und dass sein Weg Gottes Willen entspricht. Wenn also Johannes nicht wert ist, Jesus die Schuhriemen zu lösen, dann sagt das nicht etwas über das Klein-Sein des Johannes, sondern etwas über die Größe des menschgewordenen Gottes.
Zum Weiterdenken
Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus (als Gewand) angelegt. (Gal 3, 17)
Petra Bucher-Spielmann unterrichtet Religion an der HS Absam