Dass nur ja nichts passiert! Das wird in der Gesellschaft sehr groß geschrieben. Passiert trotzdem etwas, so werden die Verantwortlichen ausgeforscht. Alles erdenkliche Unglück soll verhindert werden. Also deckt man sich ein mit Grippeimpf-stoffen und Tamiflu gegen Epidemien, mit Streusalz gegen Glatteisunfälle und mit sonst allerlei Unglücks-Verhütungsmitteln. Mit Gesetzesnovellen rückt man dem Missbrauch jeglicher Art zu Leibe. Was Angst macht, wird weggesperrt – und seien es Asylwerber. Ein Handgriff gilt erst als getan, wenn er auch dokumentiert ist. Wir leben heute eher in einer Verhütungsgesellschaft als in einer Gestaltungsgesellschaft. Risiko wird ausgeschlossen. Doch man bräuchte nur in das eigene Leben zu schauen: Sind nicht die wichtigsten Ereignisse jene, bei denen das Vertrauen ganz stark gefragt war? Mag sein, dass sich zwar ein Unglück verhindern lässt. Das Glück selbst ist deshalb noch nicht gefunden. Christen machen oft die erstaunliche Erfahrung: Gerade im Unerwarteten kommt einem das Glück entgegen. Es wäre eine arme Bilanz des Lebens, würde man am Ende nur sagen können: Mir ist nichts passiert.