Ausgabe: 2010/02, Kirche, Insel der Seligen, Kommentar, Krisensitzung, Feuerwehraktion, Kirchenaustritte, Kirchenbeiträge
13.01.2010
Die Krisensitzung der österreichischen Bischöfe Mitte Februar 2009 machte deutlich: Das Kirchendach brennt, die Feuerwehraktion soll löschen, was noch zu löschen ist. Die Vorgänge um den Holocaust-Leugner Richard Williamson, dessen Exkommunikation mit jener von drei weiteren Lefebvre-Bischöfen von Papst Benedikt aufgehoben wurde, ohne dass diese ihre Ablehnung der Lehren des II. Vatikanums aufgegeben hätten, war einer der „Brandsätze“ zu Beginn des vergangenen Jahres. Ein weiterer war die Ernennung eines Weihbischofs für die Diözese Linz, der von einem überwiegenden Teil der Dechanten, des Klerus und des Kirchenvolkes abgelehnt wurde und dessen geplanter „Karrieresprung“ auf bis heute nicht geklärten „römischen Kanälen“ gedeichselt wurde. Daraufhin kam es innerhalb weniger Tage zu Alarmrufen aus den Kirchenbeitragsstellen. Eine Austrittswelle war losgebrochen. Die Spitzenwerte ebbten zwar nach der durch Papstbrief, Bischofserklärung und Rücknahme der Ernennung eintretenden öffentlichen Beruhigung ab. Es blieb aber „viel Geröll“ liegen, das – so zeigen einzelne diözesane Ausschläge – bereits bei kleinen Anlässen wieder ins Rutschen kam. Kirchenaustritte gibt es in größerem Ausmaß nur in Österreich, der Schweiz und in Deutschland. Denn nur in diesen drei Ländern bekommen die Kirchenmitglieder verpflichtende und spürbare Kirchenbeiträge vorgeschrieben. Das heißt aber nicht, dass es in anderen Ländern nicht eine ähnliche Distanzierung von der Kirche gibt, wenn ihr Tun nicht mehr verstanden wird und ihre Botschaft zu wenig nahrhaft ist.