„Null Toleranz!“ Dieses Wort zieht sich nun durch Stellungnahmen um die Missbrauchsfälle im kirchlichen Bereich. Gut, wenn die „Null-Toleranz“ dem Missbrauch selbst gibt. Ganz verkehrt aber, wenn man auch dem Menschen, der Böses getan hat, mit „Null-Toeranz“ begegnet. Wir dulden dich nicht, hieße das, du hast keinen Platz bei uns. Doch das steht klar gegen den Weg Jesu, der gerade den Sündern mit großer Aufmerksamkeit gegegnet ist – damit sie zurückfinden auf den Weg des Lebens. Da ist man nun schnell dabei, eines der kostbarsten Güter der Kirche über Bord zu werfen: dass Reue, Umkehr und Vergebung möglich sind. „Du nimmst uns an trotz unserer Schuld“, beten Christen. Deswegen betreibt die Kirche unter anderem Gefängnisseelsorge, weil auch jene, die vor dem Gesetz schuldig geworden sind, ihre Würde nicht verloren haben. Wenn das Buß-Sakrament der Kirche ernst genommen wird, bedeutet das, dass auch der „Sünder“ angenommen wird. Den Opfern selbstverständlich, aber auch den Tätern gilt das Erbarmen. Wer wollte in einer Welt leben, in der es keine Erlösung von Schuld gibt? Eine Welt der Null-Toleranz wäre in der Tat eine satanische Welt. Erst recht ohne Liebe.