Ausgabe: 2010/09, Weltgebetstag der Frauen, Heyse-Schaefer, Mama Tekla, Kamerun, Witwen, Solidarität, Liturgie,
03.03.2010
- Susanne Huber
Die Liturgie zum Ökumenischen Weltgebetstag der Frauen (WGT) 2010 haben Frauen aus Kamerun zusammengestellt. Gott loben – auch in schwierigen Situationen – dazu rufen die Frauen am 5. März auf.
„Mama“ Tekla ist umringt von ihren Enkelkindern. Sie kümmert sich um die Kleinen, weil deren Eltern im Ausland tätig sind, um Geld zu verdienen. „Mama“ Tekla ist, wie so viele Frauen in Kamerun, Witwe. „Diese Frauen sind in einem schwierigen sozialen Status. Sie werden oft schon sehr jung zu Witwen, weil ihre Männer an Malaria oder Aids sterben, und sie müssen dann schauen, wie sie ihre Kinder durchbringen“, erzählt Barbara Heyse-Schaefer, Vorstandsmitglied im WGT. 2008 ist sie durch Kamerun gereist und war dort u. a. auf der Suche nach Projekten. (Siehe oben) Die Wirtschaft Kameruns liege am Boden, die Korruption sei stark gewachsen, so Heyse-Schaefer. „Frauen sind von der tristen Situation besonders betroffen, werden im Vergleich zu Männern stets benachteiligt, bekommen z. B. die schlechtere Ausbildung oder es steht ihnen weniger Land zur Verfügung. Als Witwe ist es dann schwer, die Familie zu ernähren.“
Starke Frauen. Häufig komme es auch vor, dass Mädchen vom Land zu Verwandten in die Städte geschickt werden, um als Hilfskräfte im Haushalt mitzuarbeiten. Dort werden sie oft nur geduldet. „Oder sie arbeiten auf Plantagen, wo sie ausgebeutet werden. Im schlimmsten Fall landen sie in der Prostitution. Doch die Frauen in Kamerun sind stark, geben nicht auf, halten die Familie zusammen. So wie ,Mama‘ Tekla. Einige bauen sogar in den Städten auf den kleinen Flächen hinter ihren Häuschen etwas Mais an, der dann gebraten und auf der Straße verkauft wird. Davon versuchen sie zu leben“, sagt die Theologin. Die Bezeichnung „Mama“ sei in Kamerun übrigens ein Ehrentitel, den alle Frauen ab einem gewissen Alter erhalten, so Heyse-Schaefer.
Gott loben. „Alles, was Atem hat, lobe Gott“ – mit diesem Thema zum WGT 2010 wollen die Frauen aus Kamerun vermitteln, „dass man trotz misslicher Lage Gott loben kann. Und dass man aus diesem Lob Kraft schöpft für die eigene Situation“, so die Theologin. In den Texten der Liturgie zum WGT gehe es z. B. in Psalm 150 darum, Gott in allen Situationen des Lebens zu loben. „Es gibt auch einen Lobpreis auf die herrliche Landschaft Kameruns. Es ist ja ein Land mit großen Gegensätzen, das geprägt ist von den Savannen im Norden, den tropischen Regenwäldern im Süden und den Küstengebieten am Atlantischen Ozean.“ Eine andere zentrale Bibelstelle ist die Apostelgeschichte (16, 16–34), wo Paulus und Silas einer Sklavin begegnen. „Diese Frau wird von ihren Herren ausgebeutet. Hier gibt es einen deutlichen Bezug auf die Ausbeutung der Mädchen und Frauen in Kamerun.“ Fasziniert war Heyse-Schaefer von der Fröhlichkeit und Frömmigkeit der Kamerunerinnen „und wie selbstverständlich sie Kirchenlieder singen, beten, sich freuen, hoffen und um Segen bitten.“
Im Blick
Weltgebetstag 2010
Der Ökumenische Weltgebetstag der Frauen (WGT) wird jährlich am ersten Freitag im März in mehr als 170 Ländern der Erde gefeiert. Frauen aller Konfessionen laden dazu ein. Die Liturgie zu den Gottesdiensten kommt jedes Jahr aus einem anderen Land – 2010 haben sie Frauen aus Kamerun vorbereitet. Durch „informiertes Beten und betendes Handeln“ soll ein Zeichen der Solidarität gesetzt und so Not gelindert werden. Mit einem Teil der Kollekte des WGT werden Witwen und deren Kinder in Kamerun unterstützt. Durch Landwirtschaftsprogramme wie etwa dem Erlernen neuer Anbaumethoden soll zusätzliches Einkommen ermöglicht werden. Teil des Projekts sind auch Rechtsberatung und HIV/Aids- und Malariaprogramme.