Seit dem Jahr 1978 begeht die „Aktion Leben“ am 1. Juni den „Tag des Lebens“. Erstmals rufen Österreichs Bischöfe zu einer „Woche des Lebens“ auf, um eine lebenszugewandte Einstellung zu fördern. Es geht ihnen dabei – sehr direkt angesprochen – auch um eine Ermutigung zum Kinderkriegen, weil sie in Kindern einen Segen für die ganze Gesellschaft sehen. Manche sehen im Ansinnen der Bischöfe einen konservativen oder verzopften Anschlag auf menschliche Selbstbestimmung. Doch die Kritik macht es sich oft zu billig. Wer nur sein Selbstbestimmungsrecht im Auge hat, wird letztlich auch bei sich selbst enden. Das nämlich ist die Lebenserfahrung vieler: dass die tiefsten Glückserfahrungen nicht geplant waren, sondern einem zugefallen sind. Bloß auf sich selbst zu achten, verarmt das Leben – auch das eigene. Und wem steht es zu, die Eintrittskarten ins Leben quasi zu verwalten? Wer maßt sich an, Aufenthaltsbewilligungen für das Leben auszustellen nach dem Maß des eigenen Wohlstands? Die Mächtigen der Welt sind nicht nur Militärs, Superreiche oder Regierungsverantwortliche. Über das Leben anderer, zumal der Wehrlosesten, wird oft ganz unspektakulär entschieden – als ob es sonst niemanden anginge.