Gegen Ende des Osterfestkreises kommt die Zeit, da in unseren Sakristeien wieder die Prozessionshimmel aus ihren Stoffhüllen genommen und die Tragestangen abgestaubt werden. Denn am zweiten Donnerstag nach Pfingsten feiern wir das Hochfest des Leibes und Blutes Christi – Fronleichnam. Das Fest geht auf Juliana von Mont Cornillon zurück, die im 13. Jahrhundert als Augustinernonne in Lüttich lebte. In einem Traum wurde sie auf das Fehlen eines Festes zu Ehren des Altarsakraments hingewiesen. Schon bald wurde das Fronleichnamsfest für die ganze Kirche vorgeschrieben und auch die ersten Prozessionen sind dokumentiert. Thomas von Aquin verfasste die Texte für die Messfeier.
Der Himmel und seine Träger. In Gestalt der konsekrierten Hostie in der Monstranz wird Christus in einem Festzug durch Stadt und Flur getragen, in manchen Gemeinden wird die „Himmelsfuhr“ auch in Booten über den See geführt. Der Priester wird dabei von vier „Himmelträgern“ begleitet, die einen wertvoll bestickten Baldachin über ihn halten. Der „Himmel“ dient als Schutz, ist aber vor allem auch ein Zeichen von Hoheit.Biblische Szenen. Rund 120 Traghimmel verzeichnet das Kunstreferat der Diözese Linz im Gesamtinventar der oberösterreichischen Pfarren. Darunter sind einige neu angefertigte Stücke wie zum Beispiel in Micheldorf oder Steinerkirchen an der Traun, aber auch zahlreiche wertvolle historische Textilien. Sie zeigen oft bildliche Darstellungen wie die vier Evangelisten oder Symbole für die Eucharistie. Für die aufwändigen Stickereien in unterschiedlichen Techniken werden wertvolle Materialien verwendet: bunte Seidenfäden, Goldborten und -fransen, Pailletten, Silberfäden, Samt und Brokat.
Zeugnis früherer Frömmigkeit. Durch ihre Verwendung bei Wind und Wetter leiden Traghimmel oft besonders. Bei Feuchtigkeit besteht die Gefahr, dass Farben auslaufen und Silber verschwärzt. Beim Hantieren mit den empfindlichen Textilien können Risse entstehen. So ist es wichtig, beginnende Schäden rasch von Fachleuten beheben zu lassen. Auch sollte man stets darauf achten, den Himmel niemals feucht im Depot zu verstauen, um Schimmelbildung zu vermeiden. Eine Schutzhülle aus Baumwolle hilft gegen Verschmutzung und Schäden durch Abwetzen. Auch wenn manche „Himmel“ schon zu schlecht erhalten sind, um in der Prozession des wandernden Gottesvolkes mitgetragen zu werden, so sind sie doch ein wertvolles Zeugnis von früherer Frömmigkeit und auch Spendenfreudigkeit. Als Kulturgut sind sie ein Erbe, das zu erhalten ist.