Wohltuend, beruhigend, aufbauend: Lange Nacht der Kirchen
Ausgabe: 2010/22, lange Nacht, Dom, Beleuchtung, Klostermarkt, Kirche, Kirchenräume, Atmosphäre, Musik
02.06.2010
- Elisabeth Leitner/Josef Wallner
Lange Nacht der Kirchen, Klostermarkt, Mariendom, Linz, Dom, Lichtinstallation, Domplatz, St?nde, Kl?ster, Klosterprodukte, Schlierbach, Bischof Dr. Ludwig Schwarz, Menschen
Franz Maria Glaser
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SPARDABANK Linz
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K
Warum kommen von Jahr zu Jahr mehr Menschen zur Langen Nacht der Kirchen? – Vermutlich, weil sie in diesen Stunden vor allzu langen Reden und Belehrungen sicher sind und bei Musik oder in Stille die Atmosphäre der Kirchenräume aufnehmen können: als wohltuend, beruhigend und aufbauend.
Tagsüber erleben gar nicht wenige Besucher/innen den Linzer Mariendom als düster und fühlen sich darin nicht so recht wohl. Hat man Geduld und setzt sich immer wieder einmal in dem neugotischen Dom dem Wechsel von Licht und Schatten aus, den der Lauf der Sonne Tag für Tag mit sich bringt, beginnen einzelne Orte des Gotteshauses zu leben. In der Langen Nacht wurde den Kirchenbesucher/innen diese Erfahrung bewusst ermöglicht. Die Lichtinstallation von Michael Kantrowitsch und Sebastian Frankenberger hat den Kirchenraum in intensive Farben getaucht und so architektonische Details herausgearbeitet. Unterstützt von Musik wurden die Besucher/innen auch auf eine spirituelle Reise mitgenommen. „Das Kaleidoskop des Glaubens“ zählte für tausende Nachtschwärmer zu den Höhepunkten der Kirchennacht. Auch Orte, wo Kerzen brannten, wurden zu Anziehungspunkten. Besonders die Karmelitenkirche an der Landstraße mit ihrem Abend der Barmherzigkeit. Langsam durch den Mittelgang der Barockkirche zur Kommunionbank zu gehen, dort eine Kerze zu entzünden und abzustellen, ein kurzes Gebet zu sprechen oder ein Anliegen auf einen Zettel zu schreiben und in eine Box zu werfen – dieser einfache Ritus ist vielen Menschen zu Herzen gegangen.
Musik durchwehte die Nacht. In den Linzer Kirchen ließen Ensembles wie „Schola Gregoriana Plagensis“, „LALÁ“ und die „Austrian Baroque Company“ musikalische Kostbarkeiten erklingen. Die Kirchen waren voll, die Stimmung angenehm, wohlwollend. „Ziemlich viel junges Publikum habe ich gesehen“, berichtet Tobias Chizzali vom Vokalensemble „E Medio cantus“. Die Martinskirche war mit „Frauenlob“ erfüllt. Dort musizierten Stefanie Leitner (Sopran) und das Ensemble Loquens auf historischen Intrumenten. Die Kombination Alte Musik und Mystik ging auf, das Publikum hörte aufmerksam zu. Als Störenfried fühlte sich wohl mancher, der während eines Programmteils den Kirchenraum verließ. Doch lockte schon die nächste Kirche: Die Minoritenkirche lud zu einem musikalischen Spaziergang ein. Dieser dauerte bis spät in die Nacht.
Die Kirche in ihren Facetten
Von Jahr zu Jahr zieht die Lange Nacht der Kirchen mehr Menschen an. An die 70.000 kamen zu den oberösterreichweit 450 Veranstaltungen in 130 Gotteshäusern am Freitag, den 28. Mai 2010. Die singende, betende, tanzende, dunkle oder erleuchtete und stille Kirche ist attraktiver denn je. „Menschen ganz unterschiedlichen Interesses kommen in dieser Nacht zu Besuch in die Kirchen und erleben, was dort an Religiosität, Kultur und Menschlichkeit gelebt und ausgedrückt wird“, sagte Dompfarrer Maximilian Strasser beim Eröffnungsgottesdienst mit Vertreter/innen aus sieben christlichen Kirchen im Linzer Mariendom. Was den Besucher/innen der Langen Nacht wenig auffällt, für die Organisatoren aber einen wesentlichen Baustein darstellt, ist die Ökumene. Die Veranstaltungen sind vom Forum der Christlichen Kirchen Oberösterreichs getragen und alle gemeinsam leisten ihren Beitrag, dass Kirche als ansprechend, sympathisch, offen und kreativ erlebt werden kann. Die spirituellen Wurzeln der christlichen Kirchen kommen in dieser Nacht besonders zum Tragen. Die Einladung zur bewegten Stille und die Ermutigung zum Einsatz für Menschen und ihre Anliegen wird in dieser Nacht sichtbar.
- Weitere Fotos von der Langen Nacht in Linz finden Sie unter www.kirchenzeitung.at/fotogalerie. Fotos von der österreichweiten Aktion finden Sie unter www.langenachtderkirchen.at.