Ausgabe: 2010/22, solidarisches Zeichen, Brigitta Schmitt, Ostjerusalemeinsatz, Jerusalem, Ökumenisches Begleitprogramm in Palästina und Israel, Frieden, Gewalt, Palästina, Israel, EAPPI, Solidarität, Sperrgebiete, Pax Christi, Ökumenischer Rat der Kirchen
02.06.2010
- Susanne Huber
Für Frieden und gegen Gewalt in Palästina und Israel – dafür setzt sich Brigitta Schmitt im Rahmen des ökumenischen Begleitprogramms (EAPPI) ein. Kürzlich tourte die Bonnerin durch Österreich, um über ihre Erfahrungen in Ostjerusalem zu berichten.
Eine lange Menschenschlange hat sich am israelischen Kontrollposten nach Ostjerusalem gebildet. Es ist Freitag und etliche Palästinenserinnen und Palästinenser wollen zum Felsendom, um dort zu beten. Nur jene dürfen den Checkpoint passieren, die auch eine entsprechende Gebetserlaubnis haben. Die zahlreichen Grenzpolizisten, Soldaten und Sicherheitskräfte, die dort ihren Dienst verrichten, legen nicht selten rüde Umgangsformen an den Tag und demonstrieren ihre Macht gegenüber der palästinensischen Bevölkerung.
Solidarität zeigen. So komme es vor, dass an den Checkpoints kranken Leuten, denen schlecht geworden ist, nicht geholfen wird; dass alte Menschen gedemütigt werden; dass schwangere Palästinenserinnen ihre Kinder an den Grenzübergängen zur Welt bringen, weil sie so lange warten müssen. „Babys sind dabei auch schon gestorben, weil kein Arzt gerufen wurde“, erzählt Brigitta Schmitt. Die Bonnerin reiste 2008 nach Ostjerusalem und war dort als ökumenische Begleiterin im Einsatz (siehe oben). „Bei diesem Dienst ist vor allem wichtig, dass Solidarität mit der palästinensischen Bevölkerung gezeigt wird, indem man anwesend ist, Familien besucht, die von Vertreibung aus ihren Häusern oder Hauszerstörung betroffen sind. Dazu kommt, dass wir die Soldaten an den Checkpoints im Umgang mit den Palästinensern/innen beobachten, mit ihnen sprechen, Berichte über Vorfälle an internationale Stellen schicken, Kontakte pflegen zu Friedens- und Menschenrechtsorganisationen wie etwa den israelischen „Machsom-Watch“-Frauen, die sich 2001 zusammengeschlossen haben und an den israelischen Kontrollposten so wie wir die Lage im Auge behalten und protokollieren“, so Schmitt.
Eingeschränkt. Die israelischen Sperrgebiete gehen oft mitten durch palästinensischen Besitz. „Wenn die Bauern ihre Felder etwa in Tulkarem bewirtschaften wollen, müssen sie so genannte Landwirtschaftstore passieren. Das können sie aber nur zu bestimmten Zeiten und mit einer Arbeitserlaubnis. Wir haben darauf geachtet, dass diese Tore, die dreimal am Tag für eine Stunde geöffnet wurden, auch pünktlich offen standen, damit die Leute zur Arbeit gehen konnten“, so Schmitt. Wenn es regnete oder wenn jemand krank geworden ist, musste so lange gewartet werden, bis mittags erneut aufgesperrt wurde. „Die Bewegungsfreiheit der palästinensischen Bevölkerung ist dadurch massiv eingeschränkt. So leben zu müssen, ist demütigend. Die Leute haben ständig zu mir gesagt, erzähl von diesen Begebenheiten in deinem Land. Und das ist auch mein Bemühen, das publik zu machen, das Bewusstsein in der Gesellschaft dafür zu sensibilisieren, damit die Grenzen aufgelöst und die Menschen in Frieden miteinander leben können.“ (Siehe Kopf der Woche)
Zur Sache
Begleitprogramm
Seit 2002 gibt es das „Ökumenische Begleitprogramm in Palästina und Israel“ (EAPPI), das vom Ökumenischen Rat der Kirchen ins Leben gerufen wurde, um gewaltlos für Frieden in Israel und Palästina einzutreten. Im Oktober 2009 ist dieses Programm auch vom Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich beschlossen worden. In Zusammenarbeit mit Pax Christi Österreich, der Diakonie Auslandshilfe und dem Internationalen Versöhnungsbund werden Freiwillige gesucht, die drei Monate in den besetzten Gebieten im Westjordanland und in Ostjerusalem Dienst machen und dort die Bevölkerung etwa an den Checkpoints begleiten.