Neue Initiativen für Veränderungen und Reformen in der Kirche
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02.06.2010
- Hans Baumgartner
Rund um Pfingsten wurde der Chor derer, die in der Kirche Veränderungen und Reformen fordern, deutlich lauter. Mehrere Aktionen wurden gestartet.
„Zu Pfingsten lesen wir in der Apostelgeschichte, wie der Geist Gottes den ängstlichen Jüngern Beine machte, freimütig das Evangelium zu verkünden. Mit unserer Aktion ,Hallo Rom!‘ wollen wir auch freimütig und laut unsere Wünsche an die Kirchenleitung formulieren“, sagt Stefanie Poxrucker, Vorsitzende der Katholischen Jugend in Oberösterreich. Seit Pfingstmontag können Jugendliche ihren Ärger und Frust, aber auch ihre Wünsche nach Veränderung in Anlehnung an den Protestsong „Hallo Berlin!“ zum Ausdruck bringen. „Wir wollen damit nicht den Papst oder die Kirchenleitung schlechtmachen, wie uns das manche unterstellen“, betont Poxrucker. „Wir wollen mit dieser Aktion eine jugendgemäße Plattform schaffen, um das zu sagen, was uns bewegt. Dazu gehört etwa die Erfahrung, dass viele Pfarrer wegen ihrer Arbeitsüberlastung kaum mehr Zeit für junge Menschen haben. Dazu gehört auch, dass wir Jugendlichen nur schwer erklären können, dass zum christlichen Glauben auch das Engagegment in der Gesellschaft, Offenheit, Wachheit, Solidarität, Zivilcourage, Partnerschaft und Gleichberechtigung gehören, wenn sie das in der Kirche oft nicht erleben“, meint Poxrucker. „Hallo Rom!“ sei ein Versuch, „dass wir gehört werden“. Deshalb will die KJ auch nach Abschluss der Aktion ihren „Protestsong“ auch an Nuntius Erzbischof Zurbriggen übergeben, sagt Poxrucker.
Widerstand. Gehört werden mit ihren Reformanliegen will auch die Laieninitiative. Deshalb will sie den „vielfach verweigerten Dialog weiterhin beharrlich suchen“. Gleichzeitig aber wird der Ton in den Aussendungen und Briefen ihres Obmanns, Herbert Kohlmaier, deutlich schärfer. Beginnend mit Pfingsten ruft die Laieninitiative zum „loyalen Widerstand“ auf. Alle, die dieses Anliegen mittragen, sollen das mit einem Anstecker mit Fischsymbol sichtbar machen.
Von unten. Am 27. Mai startete die Plattform „Wir sind Kirche“ ihre Aktion „Donnerstaggebet für Reformen in der Kirche“. Man greife dabei bewusst die Tradition der „Montagsgebete“ am Ende der DDR auf, die viel zu einer „Wende“ beigetragen hätten. Begonnen wird das „Donnerstaggebet“ in der Donaucity-Kirche in Wien; andere Gruppen können dem Beispiel folgen. Außerdem lädt die Plattform Pfarrgemeinden und Gruppen ein, in „kleinen Konzilen von unten“ die Kirchensituation zu diskutieren und Änderungswünsche den Bischöfen mitzuteilen – mit der Bitte, diese auch in Rom zu vertreten.
Begrüßt. In einer gemeinsamen Erklärung haben „Wir sind Kirche“, Laieninitiative, „Priester ohne Amt“ und Pfarrerinitiative die Aufforderung von Kardinal Schönborn beim Pfarrgemeinderätekongress in Mariazell begrüßt. Schönborn rief zu „neuem Mut und pastoraler Kreativität“ auf und dazu „Widerstand zu lernen, Alternativen zu leben und mit uns (den Bischöfen) dabei auf Augenhöhe im Gespräch zu bleiben“. In vielen Pfarrgemeinden würden bereits Alternativen zu den geltenden kirchenrechtlichen Vorgaben gelebt und Wege einer zeitgemäßen Seelsorge gegangen. Begrüßt wird in der Erklärung auch der „Vorstoß von Diözesanbischof Iby zur Aufhebung der Zölibatspflicht für Priester und zur Zulassung von Frauen zu den Weiheämtern.“ In verschiedenen Stellungnahmen treten die Organisationen auch für eine Reform der Kirchenverfassung im Sinne einer kollegialen, synodalen Führung und eines „zeitgemäßen Rechtssystems“ ein. Dem schloss sich auch das „Weizer Pfingstereignis“ an.