Ausgabe: 2010/23, Südafrikanische Frauenpower, Weinfarmen, Dr. Colette Solomon, FIFA, Armut, South Africa, Frauen stärken, WM, Benachteiligung, Westkap, Women on Farms, Ausbeutung, Touristen, dka, Mütter, Großmütter, Lohn, Mindestlohn
09.06.2010
- Susanne Huber
Die WM in Südafrika ist derzeit in aller Munde. Das Land an der südlichen Spitze Afrikas ist aber auch berühmt für seine edlen Weine. Die Arbeit auf den Weinfarmen in der Provinz Westkap ist für Frauen oft hart. Die Südafrikanerin Colette Solomon von der Organisation „Women on Farms“ hilft den Arbeiterinnen, ihre Rechte einzufordern.
Die Liste der Benachteiligungen von Frauen gegenüber Männern auf Südafrikas Weinfarmen ist lang. So werden Arbeiterinnen nur tageweise, für ein paar Wochen oder Monate angestellt, dauerhafte Verträge gibt es für sie nicht; ihr Lohn ist generell niedriger; der gesetzliche Mindestlohn von 130 Euro pro Monat wird ihnen selten ausbezahlt; sie müssen schlechter entlohnte Arbeiten verrichten wie etwa das Pflücken der Trauben; sie bekommen kein Arbeitslosen-, Urlaubs- und Karenzgeld.
Frauen stärken. „Obwohl wir in Südafrika seit 1994 sehr gute Gesetze haben, wissen die Arbeiterinnen auf den Farmen nicht über ihre Rechte Bescheid. Man muss bedenken, das sind Frauen, deren Mütter und Großmütter über Generationen hindurch auf den Farmen gearbeitet und gelebt haben und unterdrückt wurden. Das geht zurück bis ins 18. Jahrhundert, wo viele noch Sklavinnen waren“, erzählt Colette Solomon, stellvertretende Direktorin der Organisation „Women on Farms“. Die Bewegung setzt sich seit 1996 für benachteiligte Frauen auf den kommerziellen Wein- und Obstfarmen der Provinz Westkap ein. „Es geht zunächst einmal darum, die Arbeiterinnen in Workshops über ihre Rechte aufzuklären. In einem weiteren Schritt versuchen wir, das Selbstvertrauen der oft ängstlichen, schüchternen Frauen zu stärken, sie zu mobilisieren, ihre Rechte auch einzufordern, denn nur so können sie ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen ändern“, sagt Solomon.
Gewalt durchbrechen. Ein anderes großes Thema ist die häusliche Gewalt. „Mehr als die Hälfte der bis zu 600 Frauen, mit denen wir zusammenarbeiten, sind mit Gewalt in der Familie, ausgehend von ihren Ehemännern oder Freunden, konfrontiert. Der Hintergrund dafür ist wieder eine Art Muster, das heißt, die Mütter und Großmütter der Betroffenen wurden auch schon verprügelt oder misshandelt und so denken sie, das sei normal. Wir vermitteln den Frauen, dass häusliche Gewalt verboten ist, dass ihre Ehemänner per Gesetz dafür eingesperrt werden. Südafrikanerinnen, die sich wehren und den Kreislauf der Gewalt durchbrechen, haben große Signalwirkung auf andere. Es ist immer wieder wunderbar zu sehen, wenn sich Frauen gestärkt, voll Selbstvertrauen und um ihre Rechte wissend erheben und sagen, es ist genug, wir wollen uns nicht länger unterdrücken und misshandeln lassen.“
Zur Sache
WM: Armut passt nicht ins Bild
Erstmals findet eine Fußballweltmeisterschaft auf afrikanischem Boden statt. Doch nur jene dürfen sich rund um die zentralen Austragungsstätten aufhalten, die auch ins Bild passen. Die von Armut geprägte Bevölkerung muss weichen, Obdachlose werden zum Teil umgesiedelt. Und den „kleinen Händlern, die beispielsweise ihr Obst und Gemüse auf den Straßen Kapstadts verkaufen, wurde gesagt, sie dürfen ihre Waren während der WM nicht dort anbieten, wo sie es immer getan haben. Denn ihr Platz liege zu nahe am Fußballstadion und sie müssten sich so und so viele Meter davon entfernen“, berichtet Colette Solomon. Nur Händler, die von der Fifa eine Genehmigung hätten, dürften sich dort aufhalten. „Die meisten Straßenverkäufer wissen aber gar nicht, wie dieses Spiel gespielt wird, wissen nicht, wie sie zu solch einer Genehmigung kommen. Und so werden sie aus dem Sichtfeld der Spiele und all den wunderbaren europäischen Touristen, die hierher kommen, entfernt“, erzählt die Südafrikanerin. „Die Armen, die Landlosen, die, die am Rande der südafrikanischen Gesellschaft stehen, werden somit keinen Nutzen aus der Fußballweltmeisterschaft ziehen können. Die arme Bevölkerung kann sich auch keine Tickets leisten, um sich die Fußballspiele direkt in den Stadien anzuschauen. Ich wäre aber sehr glücklich, wenn ich diesbezüglich eines Besseren belehrt werde – das wird sich erst zeigen“, so Solomon.