Wenn Gustav Auzinger üben geht, muss er nur das Stockwerk wechseln: Der Organist hat sich in seinem Wohnhaus einen Orgelsaal eingerichtet. Eintauchen in die Welt der Orgelmusik kann er damit jederzeit. Und auch für Besucher/innen von fern und nah öffnet er bei Konzerten und Kursen gerne die Tore.
Irgendwo in Pürnstein steht es: das kleine Orgelimperium von Gustav Auzinger. Mit 15 Jahren verwandelte ihn ein Hörerlebnis an der Stiftsorgel in Aigen/Schlägl so nachhaltig, dass er sich vom mittelmäßigen Klavierschüler zum begeisterten Organisten entwickelte. Die Leidenschaft für die Königin der Instrumente hat ihn bis heute nicht losgelassen. Beruflich und privat ist er den Orgelpfeifen auf der Spur. Selbst in seinem Wohnhaus nehmen die Tasteninstrumente viel Platz ein – besser: schenkt ihnen Auzinger Quadratmeter, Zeit und Aufmerksamkeit. Clavichord, Cembalo, Klavier erwarten Besucher/innen im Erdgeschoß linkerhand. Neben dem Wohntrakt öffnet sich rechts eine kleine Orgelwelt auf 80 m2. Hier steht eine italienische Orgel aus dem 17. Jahrhundert und eine nachgebaute Barockorgel – bestens für Bach geeignet. Die Welt des Barock hat es ihm angetan – das gilt für Instrumente genauso wie für Einrichtungsgegenstände. Seine Orgelwelt nutzt er nicht nur privat: Als Lehrer am Diözesankonservatorium und Leiter der Musikschule in Rohrbach pflegt er Kontakte in alle Welt.
„Very Fantastic“. Aus den USA bis Korea kommen Schüler/innen, nehmen an Kursen teil und schnuppern sich in Auzingers Welt. „Your house is very fantastic“, meinte etwa Song Ji Enn aus Korea. Einen Orgelzyklus mit vier Konzerten veranstaltet er seit dem Jahr 2005 jeweils von April bis Juni. An die 40 Leute haben im Orgelsaal Platz, Organisten aus aller Welt lädt er dazu ein. „Ich wollte schon immer eine Orgel zu Hause haben und so wie alle anderen Musiker auch jederzeit üben können“, erklärt er. „Und dann wollte ich Konzerte veranstalten, die meine Handschrift tragen.“ Die besondere Atmosphäre macht diese Konzerte aus, das Publikum hört aufmerksam zu. „Die Leute strahlen einem entgegen, das gibt’s sonst nirgends“, freut sich Auzinger. Hier spielt nicht die Orgel, wie es in der Kirche oft heißt, sondern der Organist. Manchmal hat er im Gottesdienst den Eindruck, wichtiger, als gut Orgel zu spielen, sei, die elektronische Liedanzeige zu beherrschen: „Was du spielst, ist oft egal.“
Auf die Orgel eingehen. In Auzingers Orgelwelt ist nichts egal. Die Instrumente werden gehegt, gepflegt und gespielt. Die größte Lehrmeisterin ist die Orgel selbst. Behandelt man sie richtig, klingt sie auch überzeugend. Wichtig ist, auf die jeweilige Orgel einzugehen. „Es gibt auf der Welt nicht zwei Orgeln, die gleich sind“, liebt Auzinger die Einzigartigkeit dieser Instrumente. Und man weiß nie, was einen erwartet: „Man macht z.B. bei einer italienischen Orgel die Flügeltüren auf, da flattern die Fledermäuse heraus – und trotzdem lässt sich etwas daraus machen“, das hat er selbst immer wieder erlebt. Im Herbst kommt Orgel Nummer 3 ins Haus. Sie wird gerade restauriert. Bei den „Orgeltagen in Pürnstein“ wird ihr Platz noch frei bleiben: Bereits am 11. Juni öffnen sich die Tore des Orgelsaals zum heurigen Abschlusskonzert .
Orgelmusik bei Kerzenschein
Mit „Konzerten bei Kerzenschein“ hat Gustav Auzinger im Jahr 2003 den Reigen der Orgelkonzerte in seinem Haus eröffnet. Sein musikalischer Wegbegleiter war Prof. Wilhelm Zauner, den er auch zur Orgelweihe nach Pürnstein einlud. Dass Zauner als Liturge in der Kirche St. Anna Steinbruch die Orgelmusik im Gottesdienst bewusst wahrnahm und wertschätzte, hat die Zusammenarbeit vertieft. Auzinger ist bis heute als Organist in St. Anna und Rohrbach tätig. In St. Anna veranstaltet er immer wieder Musiktage, bevorzugt mit Alter Musik.
- Die Kirche ist über 500 Jahre alt. 1981 wurde die Orgel restauriert. Steinbruch liegt zwischen Neufelden und St. Peter/Wimberg.
Orgeltage in Pürnstein
Seit 2005 gibt es den Zyklus „Orgeltage in Pürnstein“. Vier Konzerte laden von April bis Juni ein, vornehmlich Barockmusik im kleinen Ambiente zu hören. Platz ist für maximal 40 Personen, da sonst der Klang leidet. Am Freitag, 11. Juni wird der Organist Matteo Imbruno aus Amsterdam um 20 Uhr die Orgeln erklingen lassen. Eine telefonische Voranmeldung für das Orgelkonzert ist aufgrund der Platzverhältnisse erforderlich.
- Eintritt: Euro 12,–, Tel. 07282/59 64 (G. Auzinger).