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In aller Freiheit als Kind Gottes leben

11. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr C), 13. Juni 2010
Ausgabe: 2010/23, Vernunft, Christine Busta, menschliche Intelligenz, Julia Baumgartner, Wort zum Sonntag, Gerechtigkeit, Vergebnung, Freiheit, Kind Gottes, Lesung, Evangelium, Gespräch, Kraft, Begegnung, Torheit, Widerstand, Katholische Jugend
09.06.2010
Es sind Begegnungen, die einen aufrichten, Begegnungen, in denen die befreiende Kraft des Gesprächs und des Verstehens erlebbar wird. Mit einem Male ist eine Last von uns genommen. Wir tragen sie nicht mehr alleine, ein anderer trägt sie mit uns. Die Bibel erzählt uns immer wieder von Gott, der den Menschen begegnet. Es ist die Begegnung mit Gott, die aufdeckt, was wir verdrängen und nicht wahrhaben wollen. Und es ist die Begegnung mit Gott, die heilt und erlöst, damit wir als Kinder Gottes frei leben können.


Evangelium


Lk 7, 36 – 8, 3

Jesus ging in das Haus eines Pharisäers, der ihn zum Essen eingeladen hatte, und legte sich zu Tisch. Als nun eine Sünderin, die in der Stadt lebte, erfuhr, dass er im Haus des Pharisäers bei Tisch war, kam sie mit einem Alabastergefäß voll wohl riechendem Öl und trat von hinten an ihn heran. Dabei weinte sie, und ihre Tränen fielen auf seine Füße. Sie trocknete seine Füße mit ihrem Haar, küsste sie und salbte sie mit dem Öl. Als der Pharisäer, der ihn eingeladen hatte, das sah, dachte er: Wenn er wirklich ein Prophet wäre, müsste er wissen, was das für eine Frau ist, von der er sich berühren lässt; er wüsste, dass sie eine Sünderin ist. Da wandte sich Jesus an ihn und sagte: Simon, ich möchte dir etwas sagen. Er erwiderte: Sprich, Meister! (Jesus sagte:) Ein Geldverleiher hatte zwei Schuldner; der eine war ihm fünfhundert Denare schuldig, der andere fünfzig. Als sie ihre Schulden nicht bezahlen konnten, erließ er sie beiden. Wer von ihnen wird ihn nun mehr lieben? Simon antwortete: Ich nehme an, der, dem er mehr erlassen hat. Jesus sagte zu ihm: Du hast Recht. Dann wandte er sich der Frau zu und sagte zu Simon: Siehst du diese Frau? Als ich in dein Haus kam, hast du mir kein Wasser zum Waschen der Füße gegeben; sie aber hat ihre Tränen über meinen Füßen vergossen und sie mit ihrem Haar abgetrocknet. Du hast mir keinen Kuss gegeben; sie aber hat mir, seit ich hier bin, unaufhörlich die Füße geküsst. Du hast mir nicht das Haar mit Öl gesalbt; sie aber hat mir mit ihrem wohl riechenden Öl die Füße gesalbt. Deshalb sage ich dir: Ihr sind ihre vielen Sünden vergeben, weil sie so viel Liebe gezeigt hat. Wem aber nur wenig vergeben wird, der zeigt auch nur wenig Liebe. Dann sagte er zu ihr: Deine Sünden sind dir vergeben.
Da dachten die anderen Gäste: Wer ist das, dass er sogar Sünden vergibt? Er aber sagte zu der Frau: Dein Glaube hat dir geholfen. Geh in Frieden! In der folgenden Zeit wanderte er von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf und verkündete das Evangelium vom Reich Gottes. Die Zwölf begleiteten ihn, außerdem einige Frauen, die er von bösen Geistern und von Krankheiten geheilt hatte: Maria Magdalene, aus der sieben Dämonen ausgefahren waren, Johanna, die Frau des Chuzas, eines Beamten des Herodes, Susanna und viele andere. Sie alle unterstützten Jesus und die Jünger mit dem, was sie besaßen.


1. Lesung


2 Sam 12, 7–10. 13

Da sagte Natan zu David: Du selbst bist der Mann. So spricht der Herr, der Gott Israels: Ich habe dich zum König von Israel gesalbt, und ich habe dich aus der Hand Sauls gerettet. Ich habe dir das Haus deines Herrn und die Frauen deines Herrn in den Schoß gegeben, und ich habe dir das Haus Israel und Juda gegeben, und wenn das zu wenig ist, gebe ich dir noch manches andere dazu. Aber warum hast du das Wort des Herrn verachtet und etwas getan, was ihm missfällt? Du hast den Hetiter Urija mit dem Schwert erschlagen und hast dir seine Frau zur Frau genommen; durch das Schwert der Ammoniter hast du ihn umgebracht. Darum soll jetzt das Schwert auf ewig nicht mehr von deinem Haus weichen; denn du hast mich verachtet und dir die Frau des Hetiters genommen, damit sie deine Frau werde. [. . .] Darauf sagte David zu Natan: Ich habe gegen den Herrn gesündigt. Natan antwortete David: Der Herr hat dir deine Sünde vergeben; du wirst nicht sterben.


2. Lesung


Gal 2, 16ac. 19–21

Weil wir aber erkannt haben, dass der Mensch nicht durch Werke des Gesetzes gerecht wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus [. . .] und nicht durch Werke des Gesetzes; denn durch Werke des Gesetzes wird niemand gerecht. [. . .] Ich aber bin durch das Gesetz dem Gesetz gestorben, damit ich für Gott lebe. Ich bin mit Christus gekreuzigt worden; nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir. Soweit ich aber jetzt noch in dieser Welt lebe, lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich für mich hingegeben hat. Ich missachte die Gnade Gottes in keiner Weise; denn käme die Gerechtigkeit durch das Gesetz, so wäre Christus vergeblich gestorben.



Gegen die so genannte Vernunft


Die reinste Form
menschlicher Intelligenz
ist Güte.
Sie braucht zu ihrer Vollendung
sehr viel Torheit und Widerstand
gegen die so genannte Vernunft.

Christine Busta



Wort zum Sonntag


Gerechtigkeit und Vergebung

Als Sünderin ist sie bekannt und abgestempelt. Die Frau salbt Jesus die Füße. Die Umstehenden wundern sich, warum Jesus sie so nahe an sich heranlässt. Jesus ist anders. Er spricht nicht von der Sünde der Frau, sondern von dem, was sie ihm Gutes tut. Vorurteilsfrei geht er auf sie zu und schaut nicht auf ihre Vergangenheit.
Wie schwer fällt es oft, nicht nachtragend zu sein. Ich kenne das auch von mir: immer wieder werden alte Geschichten aufgewärmt und zum Vorwurf gemacht.
König David begeht einen Mord, um an eine Frau heranzukommen. Gott vergibt ihm, als er seine Schuld eingesteht (vgl. 1. Lesung). Ein eigenartiges Gefühl stellt sich bei mir ein: Wie kann Gott so etwas vergeben? Was ist das für eine Gerechtigkeit? Wird David hier nicht bevorzugt behandelt, ohne es zu verdienen? Und genau an diesem Punkt wird mir bewusst, wie groß der Unterschied zwischen unserem engen Gerechtigkeitssinn und der Liebe Gottes ist. Seine Gerechtigkeit beruht nicht auf der Aufzählung von Übeltaten, sondern auf Vergebung.
Er gibt jedem Menschen immer wieder neu eine Chance und sieht den Menschen so, wie er jetzt vor ihm steht, ohne die ganze Vorgeschichte.
Im Sakrament der Buße hat die Kirche die Vergebung Gottes aufgegriffen. Es ist Gelegenheit zu einem reinigenden Prozess des Bereuens.
Das meint nicht Selbstgeißelung, sondern mich mit mir und anderen zu versöhnen, in dem Bewusstsein, etwas falsch gemacht zu haben, wieder freier zu werden und bewusst neu beginnen zu können. Gelegentlich habe ich den Eindruck, dass sich die Kirche dieser Liebe Gottes selbst nicht bewusst ist und schneller urteilt als vergibt; dass sie sich schwer tut, eigene Schuld einzugestehen und dadurch freier zu werden. Ich wünsche mir diese Freiheit sehr für sie!

Zum Weiterdenken

Wie urteile ich über meine Mitmenschen?
Wer hat bei mir ohnehin schon verspielt?
Kann ich mir selbst verzeihen oder trage ich meine Fehler lange mit mir herum?
Vergebung befreit! Lasse ich mich auf diese Freiheit ein, die mir als Kind Gottes geschenkt ist?


Julia Baumgartner ist Theologin und arbeitet als Organisationsreferentin bei der Katholischen Jugend im Forum Schule.

sonntag@kirchenzeitung.at
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