Leid zu lindern „so gut es geht“, sieht Sr. Huberta Rohrmoser als einen Auftrag von Gott. Erst wenn nichts mehr hilft, muss man sich mit Schmerzen abfinden.
Der Autor Thomas Hartl hat Erfolgsgeschichten chronisch Kranker in einem Buch gesammelt. Eine, die darin erzählt, ist Sr. Huberta Rohrmoser von den Marienschwestern in Erla in Niederösterreich. Sie hat zwar selbst „weniger Erfahrung mit Schmerz“, aber sie kommt immer wieder mit schmerzgeplagten Menschen zusammen, wenn sie kontemplative Exerzitien anbietet. Bei manchen machen sich dabei Schmerzen bemerkbar, wie bei anderen Gefühle. „Im Alltag geh ich drüber“, sagt sie, „bei der Meditation werden sie ganz arg.“
Zulassen und loslassen. Sr. Huberta war selbst an Krebs erkrankt und wurde gesund, obwohl die Diagnose dafür schlecht war. Genauso wie bei anderen Krankheiten sollen Schmerzpatienten alles unternehmen, die Schmerzen loszuwerden. Erst wenn das nicht gelingt, arbeitet Sr. Huberta Rohrmoser mit einem Drei-Punkte-Programm:
- Den Schmerz wahrnehmen. Nachfühlen – „Aha, da bist du.“ Wenn möglich liebevoll und nicht feindlich denken. Zwei Sekunden in sich hineinfühlen, nicht länger. - Den Schmerz zulassen. Er gehört momentan zu mir, er darf sein. Wenn das nicht geht, den Widerstand gegen den Schmerz zulassen. - In die Gegenwart zurückkehren. Nach diesen wenigen Sekunden nicht mehr mit dem Schmerz beschäftigen, denn je mehr man sich damit beschäftigt, umso stärker wird er. Den Schmerz sein lassen, ohne ihn zu bekämpfen. Wenn nötig, empfiehlt Sr. Huberta Rohrmoser, diese drei Punkte alle halben Minuten zu starten. „Denn immer wieder verfällt man in alte Gedankenmuster, die sich in einer Negativspirale um den verhassten Schmerz drehen“, wie Sr. Huberta im Buch „Geheilt vom Schmerz“ schreibt.
Gott und der Leib. Der katholischen Kirche wird oft unterstellt, leibfeindlich zu sein und Leid und Schmerz als von Gott geschickt zu betrachten. Es gibt Menschen, die meinen, sie müssten deshalb Leid hinnehmen und tragen. Dazu meint Sr. Huberta Rohrmoser: „Der Leib ist ein Geschenk Gottes. Gott will weder Schmerz noch Leid in irgendeiner Form und wir haben den Auftrag, das Leid zu lindern, so gut es geht.“ Sie ist überzeugt davon, dass uns Jesus nicht durch das Leid erlöst hat, sondern durch seine Liebe, die er sich in dem Leiden erhalten hat. „Das Leid an sich ist kein Wert“, so Sr. Huberta, „aber die Liebe, das ist ein hoher Wert.“ Dass es Leid gibt, ist für sie ein Teil unserer Vergänglichkeit, weil der Leib ja vergänglich ist.
- Buchtipp: Geheilt vom Schmerz, Erfolgsgeschichten chronisch Kranker, Thomas Hartl, Verlag Carl Ueberreuter, 19,95 Euro.
Zur Sache
Wichtige biologische Funktion
Schmerz ist ein wichtiges biologisches Alarmsignal. Er macht uns auf Gefahren wie Hitze oder Verletzungen aufmerksam. Schmerzen können auch auf körperliche Krankheiten oder seelische Schwierigkeiten hinweisen.
Chronisch. Problematisch sind Schmerzen, wenn sie chronisch werden und die Lebensqualität beeinträchtigen. Während sich die wenigsten etwas dabei denken, zum Beispiel gegen Kopfschmerzen ein Schmerzmittel zu nehmen, ist das bei länger dauernden Schmerzen nicht die Norm. Die Österreichische Schmerzgesellschaft hält das für wenig verständlich, weil die Schmerztherapie mit Medikamenten in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht hat. Von chronischen Schmerzen spricht man, wenn die Schmerzen mehr als drei Monate entweder anhalten oder immer wiederkommen. In vielen Fällen kennt man die Ursache, kann sie aber nicht heilen. Bei sogenannten funktionellen Schmerzen können keine körperlichen Ursachen ausgemacht werden.
Zum Arzt. Viele Alltagsschmerzen kann man gut selbst behandeln. Wenn Schmerzen aber über Tage anhalten oder häufig wiederkehren, sollte ein Arzt oder eine Ärztin zu Rate gezogen werden. Diese müssen über das Ausmaß der Schmerzen informiert werden. Nicht behandelter Schmerz birgt die Gefahr, chronisch zu werden. Eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung von Dauer-Schmerzen spielen Entspannungstechniken.
- Informationen über Schmerzeinrichtungen hat die Österr. Schmerzgesellschaft, Homepage:www.oesg.at, Tel. 01/319 43 78-12. - Buchtipp: Nichtmedikamentöse Schmerztherapie, Bernatzky und andere Herausgeber, Springer Verlag, ca. 70,– Euro. Auf 544 Seiten werden mehr als 30 Methoden ohne Medikamente vorgestellt werden.