Ausgabe: 2010/23, Klangwelten, CD, Rauscher, The National, High Violet
09.06.2010
- K. Rauscher
Vor einigen Jahren erblickten Alben wie das fiebrige „Alligator“ und zuletzt ein fast meditatives „The Boxer“ das Licht der Welt, eingespielt von einer Band, die sich ganz unscheinbar aus den Hinterhöfen Ohios zu einer der eindrucksvollsten Indie-Bands dieser Tage gearbeitet hat: The National. Mit ihrem neuen Werk „High Violet“ ist die Band nun definitiv ganz vorne angekommen, ohne dass es irgendjemand mitbekommen hätte. Mit dem Opener „Terrible Love“ wird gleich die Marschrichtung des Albums angezeigt: langsam anschwellende, dröhnende Gitarren, düsteres Schlagzeug und über allem thront der tiefe, alles bestimmende Bariton von Sänger Matt Berninger. „Go out at night with your headphones on, again / And walk through the Manhattan valleys of the dead“ von „Anyone’s Ghost” lässt dann erahnen, dass sich The National einmal mehr den wenig freudvollen Themen verschrieben haben. Kein einziger Song, der explodiert, und doch eröffnen sich nach und nach emotionale Klangwelten, die so gefangen nehmen, dass man davon schier hinweggespült wird. Also lasst uns in die „Lemonworld“ fliehen oder das Leben im Regen in „England“ lieben. Nie war Weltschmerz so elektrifizierend und gleichzeitig so beruhigend, so brennend und catchy, so ergreifend und schlicht genial … mindestens!