Kirchenbauten der Nachkriegszeit aus dem deutschen Sprachraum hat Kerstin Wittmann-Englert in ihrem Buch „Zelt, Schiff und Wohnung“ vereint. Grund der Bestandsaufnahme war, dass zahlreiche moderne Kirchen in Deutschland in den letzten Jahren in profane Gebäude überführt, oft aber auch abgerissen wurden. Darunter waren bedeutende Kirchenbauten wie St. Raphael von Rudolf Schwarz und St. Johannes Capistran von Reinhard Hofbauer. Kirchliche Behörden deuteten an, dass dieses Schicksal in Zukunft eher moderne – oft als „hässlich“ diffamierte – Bauten als alte, weil vermeintlich „schönere“ Kirchen treffen könnte. Aufgabe der Kunstwissenschaft sei es, das baukünstlerische Erbe auch der jüngeren Moderne in seiner ästhetischen und historischen Dimension zu erfassen, so die Autorin. Das liefert das vorliegende Werk, das Kirchenbauten von 1950 bis 1970 vorstellt. Nicht der Sakralbau als Tempel, sondern als Zelt, Schiff und Wohnung steht dabei als Leitidee im Vordergrund. Die Arche war für die „unbehausten Menschen“ (H. Holthusen) eine Zufluchtsstätte, die provisorisch Unterschlupf bot. Eine erhellende Lektüre, die viele Brücken zur Kirchenbaulandschaft in Österreich aufweist.
Kerstin Wittmann-Englert, Zelt, Schiff und Wohnung, Kirchenbauten der Nachkriegsmoderne, Kunstverlag Josef Fink. 224 Seiten, Euro 29,80.