Meistens sind wir es umgekehrt gewohnt: Es gibt Leute, die ohne Unterlass reden und dabei nicht viel zu sagen haben.
Dann gibt es aber Leute, die hätten viel zu sagen, aber ihr Mund kann die Gedanken nicht in Sprache umformen. Damit sie lernen, sich anders auszudrücken, müssen betroffene Kinder früh gefördert werden. Mag. Andrea Boxhofer vom Zentrum Spattstraße hat dafür ein Programm entwickelt.
Sagen können, was man will
Manche Kinder können nicht lernen, ihre Gedanken mit dem Mund auszudrücken
Ein Kind hat Ohrenweh und kann es nicht zeigen. Manche Kinder brauchen andere Mittel, weil sie nicht mit dem Mund sprechen können.
„Körperliche Beeinträchtigung ist nicht gleichzusetzen mit einem Intelligenzdefekt“, sagt Andrea Boxhofer. Kinder, die von Geburt an, nach einem Unfall oder Schlaganfall nicht sprechen lernen können, müssen anders zeigen, was sie denken oder fühlen. Bis zu 80 Prozent dieser Kinder werden laut Boxhofer als geistig beeinträchtigt eingestuft, „was aber nicht stimmt“.Für sie hat Andrea Boxhofer eine eigene Förderung entwickelt, für die sie jetzt von der Heilpädagogischen Gesellschaft Österreich mit einem Preis ausgezeichnet worden ist.„Es ist entscheidend für die Entwicklung des Kindes ab etwa dem zweiten Lebensjahr bis zum Schuleintritt, dass es Sprache aktiv verwendet“, so Boxhofer. Dadurch, dass Kinder sprechen, entstehen im Hirn Verknüpfungen. Und wenn Kinder das nicht mit dem Mund lernen können, müssen andere Wege gefunden werden. Es hat sich gezeigt, dass die sogenannte „Frühe Kommunikations-Förderung“ die geistige Entwicklung der Kinder stark verbessert hat.
Ich-Buch. Gebärdensprache, Tafeln mit Bildern und Symbolen oder Computer kommen dabei zum Einsatz. Zu Beginn haben etwa Dreijährige ihr „Ich-Buch“, mit dem sie zeigen können, was sie wollen oder brauchen. Damit das im Alltag funktioniert, müssen auch die Eltern mit der Sprache ihrer Kinder umgehen können. Die Förderung passiert deshalb zu Hause. Etwa um zu überlegen, wie und wo Symbole angebracht werden können.
„Nein!“ Die Förderung bringt eine Umstellung für die ganze Familie. Bisher haben die Eltern entschieden, plötzlich zeigt das Kind und sagt damit: „Nein!“ Oder ein Kind kann zeigen, wenn es satt ist, und muss nicht mehr spucken. „Für die Beziehung ist das eine enorme Erleichterung“, so Boxhofer. „Nichtsprechende Kinder sind Fehlinterpretationen hilflos ausgeliefert.“
- Informationen zur Frühen Kommunikations-Förderung im Zentrum Spattstraße: Tel. 0732/34 92 71-43 oder im Internet: www.spattstrasse.at