Er war in den Medien schon wieder in die Randnotizen gerückt: der Skandal um sexuelle Gewalt durch Priester und Ordensleute. Mit seiner Vergebungsbitte hat der Papst zum Abschluss des Priesterjahres neu darauf aufmerksam gemacht. Um eine einfach scheinende Frage geht es. Wie kann Böses wieder gut werden? Da wurde die Seele von Menschen durch Autoritätsmissbrauch klein gehalten, entwürdigt, verletzt. Auch wenn Taten lange zurücklagen, die Täter behielten die Oberhand. Verunsicherung und Scham waren Lebensbegleiter. Durch die Aufdeckung der Schuld sind die Täter nun ihren Opfern in einer gewissen Weise „ausgeliefert“. Es ist bemerkenswert, dass manche der Opfer nicht in erster Linie nach Entschädigungen verlangen. Das hätte nicht die ersehnte Heilkraft. Sie wollen sich das Leid von der Seele sprechen, manche wollen ihrem Peiniger einmal nicht aus der Perspektive des Unterlegenen in die Augen schauen. Wie Böses wieder gut werden kann, ist alles andere als eine einfache Frage. Wieweit schafft man das, was der christliche Glaube als Weg vor Augen stellt: den Kreislauf des Bösen durchbrechen – der Vergebung zu trauen.