12. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr C), 20. Juni 2010
Ausgabe: 2010/24, Sonntag, Gott, Herz, festes Fundament, Haltung, Evangelium, Lesung, Julia Baumgartner, Madeleine, Bruder Noah, Wort zum Sonntag, Glaube
16.06.2010
Allzu oft glauben Menschen, dass sie sich etwas in ihrem Leben verbauen, wenn sie sich festlegen. Es ist aber genau anders! Indem wir uns festlegen, erwachsen uns Handlungsspielräume, weil wir uns auf einem festen Fundament bewegen. Es hat mit dem eigenen Leben zu tun, beeinflusst meine Haltungen, welche Antwort ich auf Jesu Frage gebe.
Evangelium
Lk 9, 18–24
Jesus betete einmal in der Einsamkeit, und die Jünger waren bei ihm. Da fragte er sie: Für wen halten mich die Leute? Sie antworteten: Einige für Johannes den Täufer, andere für Elija; wieder andere sagen: Einer der alten Propheten ist auferstanden. Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Petrus antwortete: Für den Messias Gottes. Doch er verbot ihnen streng, es jemand weiterzusagen. Und er fügte hinzu: Der Menschensohn muss vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er wird getötet werden, aber am dritten Tag wird er auferstehen. Zu allen sagte er: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es retten.
1. Lesung
Sach 12, 10–11; 13, 1
Doch über das Haus David und über die Einwohner Jerusalems werde ich den Geist des Mitleids und des Gebets ausgießen. Und sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben. Sie werden um ihn klagen, wie man um den einzigen Sohn klagt; sie werden bitter um ihn weinen, wie man um den Erstgeborenen weint. An jenem Tag wird die Totenklage in Jerusalem so laut sein wie die Klage um Hadad-Rimmon in der Ebene von Megiddo. [. . .] An jenem Tag wird für das Haus David und für die Einwohner Jerusalems eine Quelle fließen zur Reinigung von Sünden und Unreinheit.
2. Lesung
Gal 3, 26–29
Ihr seid alle durch den Glauben Söhne Gottes in Christus Jesus. Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus (als Gewand) angelegt. Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid „einer“ in Christus Jesus. Wenn ihr aber zu Christus gehört, dann seid ihr Abrahams Nachkommen, Erben kraft der Verheißung.
Wie groß ist Gott?
„Gott ist so groß wie der Himmel. Nein – Gott ist noch viel größer als der Himmel – und Gott ist so klein, dass er in deinem Herzen Platz hat.“
Madeleines (5) Antwort auf eine Frage ihres Bruders Noah (3)
Wort zum Sonntag
Wer bin ich für dich?
„Für wen haltet ihr mich?“, so die Frage Jesu an seine Jünger und jeden von uns. Für mich steckt darin eine Frage nach der Lebenseinstellung: Wer bin ich für dich? Wie stehst du zu mir? Was macht der Glaube an mich mit dir? Macht dich dein Glaube freier oder schränkt er dich ein? Jesus fordert uns auf, uns festzulegen, unseren Glauben konkret zu machen. Wir haben oft Angst davor, uns festzulegen, weil wir uns damit Möglichkeiten verbauen. Es ist aber genau anders: indem wir uns festlegen, erwachsen uns Handlungsspielräume, weil wir uns auf einem festen Fundament bewegen. Sich festlegen heißt, sich bekennen, sich positionieren, den eigenen Platz definieren. Wie ich Jesus verstehe, hat etwas mit meinem Leben zu tun, beeinflusst meine Haltung. Wesentlich ist, dass jeder die Frage für sich beantworten muss. Man kann nicht einfach nachplappern, sondern muss Jesus selbst erfahren, um eine authentische Antwort zu finden. Petrus sagt: „Für den Messias Gottes.“ Messias heißt „der Gesalbte“. Die Salbung war zur Zeit Jesu ein Zeichen von Auserwählung. Wir Christen werden bei der Taufe gesalbt, das bedeutet, jeder von uns ist besonders und geliebt in den Augen Gottes. Auf diesem Hintergrund – der Liebe Gottes zu uns – ist auch das Wort Jesu zu verstehen: Nehmt das Kreuz auf euch. Er selbst tut das in Solidarität mit uns. Er meint damit aber nicht: Wir müssen leiden und büßen, solange wir auf Erden leben. Vielmehr sollen wir zu einer positiven und dankbaren Lebenseinstellung kommen. Bei einer Schulung zur Krisenseelsorge hatten wir Teilnehmende die Aufgabe, unsere eigene Grabrede zu schreiben. Mir ist dabei aufgefallen, dass der Blick auf das eigene Ende große Dankbarkeit für das Erlebte aufkommen lässt. Die Perspektive ist wesentlich. Es geht nicht um das Suchen des Schweren und Drückenden, sondern um das Wissen um das Geschenk: mein Leben.
Zum Weiterdenken
Für wen hältst du mich? – Wie beantworte ich diese Frage Jesu? Was macht der Glaube an Jesus mit meinem Leben?
Julia Baumgartner ist Theologin und arbeitet als Organisationsreferentin bei der Katholischen Jugend im Forum Schule.