In diese hohe Lichtzeit kurz vor Johanni, in der die Sonne viele Stunden am Himmel steht und die Zeit alten Sagen zufolge stehen bleibt, öffnet eine wahre Sonnenbraut ihre Blütenblätter. Kaum eine andere Blume wurde mehr besungen als die Rose. Auch in Mythen und Märchen ist sie Symbol für die Liebe, die bedingungslos und rein ist. „Eine Rose ist nicht irgendetwas, sondern etwas, das hier in dieser Welt aufgeht, erscheint. Aber ein Stück von Drüben ist, vom Unsichtbaren, Ahnungsvollen, etwas Von-der-Sehnsucht-Getragenem, dem Ewigen, dem Unsterblichen“, sagte Pfarrer Weidinger. Ewigkeit – das ist nicht endlose Zeit, sondern das Aufheben der Zeit, jeder Augenblick – jetzt!Verweilen wir an einer Rosenhecke, atmen den Duft ihrer Blüten und öffnen unser Herz ihrem Wesen, so lässt sie uns ihr Geheimnis erahnen – etwas von diesem Jenseitigen, das durch sie mitten in der Welt aufleuchtet, diesen Augenblick, in dem Ewigkeit – die erfüllende Zeit – in unsere irdische Zeit der Hetze durch den Sekundentakt eindringt. Die Heckenrose öffnet am Morgen ihre Blütenblättchen, am Abend liegen diese abgefallen auf der Erde. Doch diesen einen Tag hat sie geblüht, ihren Duft verströmt und manch jemanden, der vorüberging, ließ sie die Ewigkeit spüren und die Botschaft erfahren, die auch der kleine Prinz in Berührung mit seiner Rose erkannte: „Du siehst nur mit dem Herzen gut.“
- Mehr über Susanne Türtscher Internet: www.alchemilla.at