Über 50.000 Besucher/innen kamen heuer zu den ca. 200 Veranstaltungen der Bachtage von 11. bis 20. Juni in Leipzig. Schauplätze waren täglich die Luther-, Nikolai- und Thomaskirche mit Orgelwerken Bachs. Das Bläserkollegium Leipzig spielte im Leipziger Hauptbahnhof auf und weltliche Konzertsäle wie Gewandhaus, Hochschule für Musik sowie Altes Rathaus ließen Bachs klassische Werke erklingen. Die Uraufführung des Musikstücks „Angel Fighter“ von Sir Harrison Birtwistle war ein Höhepunkt des diesjährigen Bachfests. Das Auftragswerk des wohl bedeutendsten zeitgenössischen englischen Komponisten erzählt von Jakob, der vor seinem Bruder Esau floh und eine ganze Nacht lang mit einem Engel rang, um dessen Segen zu erhalten. Mit drei Solisten, RIAS-Chor und Orchester wurde „Angel Fighter“ mit der biblischen Geschichte von Jakob und dem Engel in der ausverkauften Leipziger Thomaskirche den Besuchern des Bachfests 2010 nahegebracht. Anschließend konnten die Besucher diese Erstaufführung mit Bach’schen Musikstücken vergleichen. In den ersten fünf Jahren seines Amtsantritts als Thomaskantor ab 1723 schuf Johann Sebastian Bach für jeden Sonntags-Gottesdienst eine neue Kantate, die er mit seinem Thomanerchor auch zur Aufführung brachte. Zu größeren christlichen Festen wie Weihnachten, Ostern oder Pfingsten komponierte er neue Messen, Oratorien und Passionen. Bach zählt zu den bedeutendsten Gestalten der deutschen Musikgeschichte. Als Orgelvirtuose wie als Komponist konnte er sich mit seinem französischen Zeitgenossen Francois Couperin (1688 bis 1733) messen. Dieser stand allerdings im Glanze des „Sonnenkönigs“ Ludwig XIV., während der Thomaskantor trotz späterer Beförderung zum Leipziger Musikdirektor Mühe hatte, seine Ehefrau Anna-Magdalena und ihre gemeinsame zehnköpfige Kinderschar durchzubringen. „Play Bach“ galt eine Zeitlang in den USA als geflügeltes Wort, ein Beat-Bandleader („Summer in the City“) nannte sich nach ihm. In den 1920er Jahren fand Bachs Musik bereits Eingang in den Jazz. Um Bachs Renaissance bemüht waren vor allem der Komponist Robert Schumann, dessen 200. Geburtstag 2010 begangen wird, sowie Johannes Brahms (1833 bis 1897).