13. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr C), 27. Juni 2010
Ausgabe: 2010/25, Julia Baumgartner, Theologin, Oranisationsreferentin, Almut Haneberg, Wort zum Sonntag, Sternstunde, Alltag, 13. Sonntag im Jahreskreis, Routine, Notwendigkeiten, Sonntag, Evangelium, Lesung, Wort zum Sonntag, Lukas,
23.06.2010
Routine und Notwendigkeiten prägen viele Bereiche des Lebens. Aber trotz allem, was vorgegeben und aufgegeben ist, gibt es Momente, in denen Entscheidungen möglich oder gefordert sind; sich z. B. überlegt und bewusst für eine Aufgabe oder einen Weg zu entscheiden. „Wo geht mein Herz auf?“ ist eine Frage, auf die jede einzelne Person ihre je eigene, ganz persönliche Antwort finden muss – ein Leben lang.
Evangelium
Lk 9, 51–62
Als die Zeit herankam, in der er (in den Himmel) aufgenommen werden sollte, entschloss sich Jesus, nach Jerusalem zu gehen. Und er schickte Boten vor sich her. Diese kamen in ein samaritisches Dorf und wollten eine Unterkunft für ihn besorgen. Aber man nahm ihn nicht auf, weil er auf dem Weg nach Jerusalem war. Als die Jünger Jakobus und Johannes das sahen, sagten sie: Herr, sollen wir befehlen, dass Feuer vom Himmel fällt und sie vernichtet? Da wandte er sich um und wies sie zurecht. Und sie gingen zusammen in ein anderes Dorf. Als sie auf ihrem Weg weiterzogen, redete ein Mann Jesus an und sagte: Ich will dir folgen, wohin du auch gehst. Jesus antwortete ihm: Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann. Zu einem anderen sagte er: Folge mir nach! Der erwiderte: Lass mich zuerst heimgehen und meinen Vater begraben. Jesus sagte zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verkünde das Reich Gottes! Wieder ein anderer sagte: Ich will dir nachfolgen, Herr. Zuvor aber lass mich von meiner Familie Abschied nehmen. Jesus erwiderte ihm: Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes.
1. Lesung
1 Kön 19, 16b. 19–21
[. . .] und Elischa, den Sohn Schafats aus Abel-Mehola, salbe zum Propheten an deiner Stelle. [. . .] Als Elija von dort (Gottesberg) weggegangen war, traf er Elischa, den Sohn Schafats. Er war gerade mit zwölf Gespannen am Pflügen, und er selbst pflügte mit dem zwölften. Im Vorbeigehen warf Elija seinen Mantel über ihn. Sogleich verließ Elischa die Rinder, eilte Elija nach und bat ihn: Lass mich noch meinem Vater und meiner Mutter den Abschiedskuss geben; dann werde ich dir folgen. Elija antwortete: Geh, aber komm dann zurück! Bedenke, was ich an dir getan habe. Elischa ging von ihm weg, nahm seine zwei Rinder und schlachtete sie. Mit dem Joch der Rinder kochte er das Fleisch und setzte es den Leuten zum Essen vor. Dann stand er auf, folgte Elija und trat in seinen Dienst.
2. Lesung
Gal 5, 1. 13–18
Zur Freiheit hat uns Christus befreit. Bleibt daher fest und lasst euch nicht von Neuem das Joch der Knechtschaft auflegen! [. . .] Ihr seid zur Freiheit berufen, Brüder. Nur nehmt die Freiheit nicht zum Vorwand für das Fleisch, sondern dient einander in Liebe! Denn das ganze Gesetz ist in dem einen Wort zusammengefasst: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Wenn ihr einander beißt und verschlingt, dann gebt Acht, dass ihr euch nicht gegenseitig umbringt. Darum sage ich: Lasst euch vom Geist leiten, dann werdet ihr das Begehren des Fleisches nicht erfüllen. Denn das Begehren des Fleisches richtet sich gegen den Geist, das Begehren des Geistes aber gegen das Fleisch; beide stehen sich als Feinde gegenüber, so dass ihr nicht imstande seid, das zu tun, was ihr wollt. Wenn ihr euch aber vom Geist führen lasst, dann steht ihr nicht unter dem Gesetz.
Immer wieder neu
mich immer wieder neu für das Gute entscheiden für Leben, Lebendigkeit, Lachen und Licht
mich nicht bestimmen lassen von Minderwertigkeit, Zweifel, Selbsthass und Angst
in Zeiten der Not nicht verzagen trauern, streiten, kämpfen und leiden im Wissen um Gottes tragende Kraft
Schritt für Schritt den Weg des Vertrauens gehen
die Zuneigung anderer annehmen, vom Wohlwollen leben die eigenen Talente entdecken und teilen die Kräfte und Gaben entfalten und leben mir selbst und den anderen trauen
und Welt gestalten im Wissen darum dass wir Gottes kostbare Kinder sind
Almut Haneberg
Wort zum Sonntag
Berufung mutig leben
Es tut manchmal gut, etwas zu tun, was das Bauchgefühl sagt, ohne auf die Meinung anderer zu hören, ohne vernünftige Gründe zu suchen, ohne auf den Ruf zu achten. Die meisten von uns lassen sich vermutlich nur selten dazu hinreißen. Wir wägen lieber die Folgen und Risiken ab, fragen, was andere dazu sagen würden und lassen uns davon so manche Handlung verhindern. Einer, der seinem Gefühl folgt, mit seinem ganzen Leben, ist Elischa. Er lässt den Pflug mitten auf dem Feld liegen und wird Prophet (vgl. 1. Lesung). Dass man Berufung nicht nebenbei leben kann, das macht Jesus im Evangelium klar. Es hört sich sehr hart an, wenn er sagt: „Keiner, der […] nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes.“ Es ist ein Ausdruck dafür, dass man Berufung nicht halbherzig leben kann, weil man sie dann bald gar nicht mehr lebt und enttäuscht resigniert.
Wozu bin ich berufen? Die Frage stellt sich jedem Menschen irgendwann. Das heißt: Wo geht mein Herz auf? Wo habe ich das Gefühl, ich selbst zu sein, authentisch zu leben? Man kann die Frage verdrängen, immer wieder verschieben, mit Ausflüchten und Argumenten entkräften. Wirklich authentisch leben wird man nur, wenn man die Frage nach der Berufung für sich immer wieder neu mit dem eigenen Leben zu beantworten sucht. Den eigenen Lebensplan muss man deshalb nicht ständig über Bord werfen. Es geht um das Leben der eigenen Berufung im Alltag, im täglichen Umfeld. Es gibt so viele Berufungen, wie es Menschen gibt. Und niemand kann dir sagen, wie du dein Leben zu leben hast. Es tut gut, das Leben auf etwas auszurichten, eine Grundeinstellung zu haben, die das Leben prägt und durch die man mit Entschiedenheit handeln kann. Manchmal geht es auch darum, einfach zu handeln und den sicheren Weg zu verlassen. Berufung ist ein Wagnis!
Zum Weiterdenken
Wieweit lasse ich mich auf das Wagnis „Berufung“ ein? Was behindert mich? Welches Umfeld lässt mich aufblühen und gibt mir das Gefühl, ich selbst zu sein?
Julia Baumgartner ist Theologin und arbeitet als Organisationsreferentin bei der Katholischen Jugend im Forum Schule.