Solidaritätspreisträger Josef Kastner mit Leopold Plakolb, mit dem er jede Woche am Tandem durch Oberösterreich radelt – außer es regnet zu viel, muss man indiesem Jahr hinzufügen.
Solidarität hat mit Ausdauer zu tun, für Josef Kastner stimmt das im doppelten Sinn. Er radelt seit zehn Jahren wöchentlich mit dem blinden Leopold Plakolb am Tandem.
„Jeder probiert’s und jeder hört wieder auf, weil es zu stark ist und weil man zu viel Verantwortung hat“, das hat Josef Kastner vor zehn Jahren von Leopold Plakolb gehört, als sie sich zufällig in einem Gasthaus getroffen haben. Leopold Plakholb ist seit einem Arbeitsunfall vor 17 Jahren blind, Radfahren kann er nur mit einem Sehenden am Tandem.Josef Kastner hat es probiert und fährt seit nunmer zehn Jahren von März bis Oktober jeden Mittwoch von Linz nach Wilhering, um von dort mit seinem Rad-Partner loszuradeln. Dafür braucht er nicht nur Muskelkraft, denn mit einem Blinden Tandem zu fahren ist auch eine große Verantwortung. Jeden Anlass, mit dem Treten aufzuhören, muss der Sehende ankündigen, ob das ein Schaltvorgang ist oder ein Hindernis. Leopold Plakolb muss sich ganz auf seinen Fahrer verlassen können.
Kilometer und Geschichten. Rund 17.500 Kilometer haben die beiden miteinander zurückgelegt. Am Treten merken sie inzwischen, wie es dem anderen geht. „Wir haben schon wunderbare Erlebnisse gehabt,“ erzählt Josef Kastner. Aber auch gefährliche Situationen, etwa ein Hund, der auf das Tandem zuläuft oder Autos, die knapp vorbeifahren. Die längste Tour führte mit 192 Kilometern nach Passau, wobei die beiden 50 Kilometer durch Regen fahren mussten und eine Panne hatten, die mit einem Zehenbruch endete.
Für andere da sein. Josef Kastner ist Jahrgang 1944. Er war 36 Jahre in der Voest tätig, und hat dort als Belegschaftsvertreter für 900 Behinderte gesprochen. Nach wie vor ist er Sektionsleiter der Sektion Versehrtensport im Sportklub SK Voest. Er ist für die Gewerkschafts-Pensionisten im Präsidium der Produktionsgewerkschaft (früher Metall, Textil, Nahrung) und wurde im Herbst vergangenen Jahres in den Vorstand des Seniorenrates im Nationalrat gewählt. Die Liste seiner Funktionen ließe sich noch fortsetzen. Der Terminkalender von Josef Kastner ist entsprechend voll. „Ich hab schon Sitzungen gespritzt, weil ich mich beim Poldi angemeldet hab“, erzählt er. Die Weichen „für andere da zu sein und das Organisatorische“ sind schon früh gelegt worden – Josef Kastner hat die kirchliche Ehrenamt-Karriere vom Ministrant über Jungschar-Führer zum Jugendleiter durchlaufen. „Man hat das irgendwie drin“, entschuldigt er sich fast für sein Engagement.