14. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr C), 4. Juli 2010
Ausgabe: 2010/26, Sonntag, quietschvergnügt, 14. Sonntag im Jahreskreis, Lesung, Evangelium, Wilhelm Bruners, Anton Pepelnik, Wort zum Sonntag, Ferien, Zeit, Verreisen, Auszeit,
30.06.2010
Lachende und sich geborgen fühlende Menschen, getröstete und jubelnde – eine neue Wirklichkeit beschreibt Jesaja; so wird es sein, wenn Gottes Reich unter den Menschen anbricht. Was das mit der beginnenden Ferienzeit zu tun hat? Kommen Alltag und Arbeit ein wenig aus dem üblichen Trott, so bleibt Zeit: Zeit, um jemanden zum Lachen zu bringen, zu trösten, zu jubeln, Zeit für Gespräche, mit Menschen, und mit Gott.
1. Lesung
Jes 66, 10–14c
Freut euch mit Jerusalem! Jubelt in der Stadt, alle, die ihr sie liebt. Seid fröhlich mit ihr, alle, die ihr traurig wart. Saugt euch satt an ihrer tröstenden Brust, trinkt und labt euch an ihrem mütterlichen Reichtum! Denn so spricht der Herr: Seht her: Wie einen Strom leite ich den Frieden zu ihr und den Reichtum der Völker wie einen rauschenden Bach. Ihre Kinder wird man auf den Armen tragen und auf den Knien schaukeln. Wie eine Mutter ihren Sohn tröstet, so tröste ich euch; in Jerusalem findet ihr Trost. Wenn ihr das seht, wird euer Herz sich freuen, und ihr werdet aufblühen wie frisches Gras. So offenbart sich die Hand des Herrn an seinen Knechten.
2. Lesung
Gal 6, 14–18
Ich aber will mich allein des Kreuzes Jesu Christi, unseres Herrn, rühmen, durch das mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt. Denn es kommt nicht darauf an, ob einer beschnitten oder unbeschnitten ist, sondern darauf, dass er neue Schöpfung ist. Friede und Erbarmen komme über alle, die sich von diesem Grundsatz leiten lassen, und über das Israel Gottes. In Zukunft soll mir niemand mehr solche Schwierigkeiten bereiten. Denn ich trage die Zeichen Jesu an meinem Leib. Die Gnade Jesu Christi, unseres Herrn, sei mit eurem Geist, meine Brüder. Amen.
Evangelium
Lk 10, 1–12. 17–20
Danach suchte der Herr zweiundsiebzig andere (Jünger) aus und sandte sie zu zweit voraus in alle Städte und Ortschaften, in die er selbst gehen wollte. Er sagte zu ihnen: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden. Geht! Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und keine Schuhe! Grüßt niemand unterwegs! Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als Erstes: Friede diesem Haus! Und wenn dort ein Mann des Friedens wohnt, wird der Friede, den ihr ihm wünscht, auf ihm ruhen; andernfalls wird er zu euch zurückkehren. Bleibt in diesem Haus, esst und trinkt, was man euch anbietet; denn wer arbeitet, hat ein Recht auf seinen Lohn. Zieht nicht von einem Haus in ein anderes! Wenn ihr in eine Stadt kommt und man euch aufnimmt, so esst, was man euch vorsetzt. Heilt die Kranken, die dort sind, und sagt den Leuten: Das Reich Gottes ist euch nahe. Wenn ihr aber in eine Stadt kommt, in der man euch nicht aufnimmt, dann stellt euch auf die Straße und ruft: Selbst den Staub eurer Stadt, der an unseren Füßen klebt, lassen wir euch zurück; doch das sollt ihr wissen: Das Reich Gottes ist nahe. Ich sage euch: Sodom wird es an jenem Tag nicht so schlimm ergehen wie dieser Stadt. [. . .] Die Zweiundsiebzig kehrten zurück und berichteten voll Freude: Herr, sogar die Dämonen gehorchen uns, wenn wir deinen Namen aussprechen. Da sagte er zu ihnen: Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen. Seht, ich habe euch die Vollmacht gegeben, auf Schlangen und Skorpione zu treten und die ganze Macht des Feindes zu überwinden. Nichts wird euch schaden können. Doch freut euch nicht darüber, dass euch die Geister gehorchen, sondern freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind.
Begegnung
Wird mein Ohr wach hört es den Specht schlagen öffne ich die Augen sehe ich rot, blau, weiß . . .
Ich bin nicht sicher ob wir aus dem Paradies vertrieben sind
Manchmal steht der Gärtner mitten im Weg:
Ein blühender Baum Ein lachendes Kind
Da heilen viele Wunden
Wilhelm Bruners
Wort zum Sonntag
Ferien: Zeit haben für ...
Die 72 Jünger und Jüngerinnen kommen nach harter Arbeit retour und berichten Jesus. Sie haben sich ihre Pause verdient. Auch von Jesus hören wir öfter, dass er sich zurückzieht. In Ostösterreich beginnen die Ferien. Jede/r verdient sich Urlaub oder Ferien. Jetzt geht es nur darum, wie und wovon Ferien? Ferien von Gott? Auszeit von Kirche und Kirchenbesuch? Ich verreise sehr gern und fand es immer sehr interessant, vor Ort den Sonntagsgottesdienst zu besuchen. Manche Bibeltexte und Gebete sind vielleicht bekannt. Interessant sind aber die Gestaltung und mancherorts die Gastfreundschaft. Ich erinnere mich an England, wo sofort nach der Messe die Einladung zum Tee kam, wo wir denn herkämen und was uns hierhergeführt hätte. Ebenso in Irland, ein Gottesdienst in gälisch, bei dem ich praktisch kein Wort verstand. Und bei uns? Da sehen wir manchmal in der Sommerzeit noch leerere Kirchen, noch weniger Kinder, ein eingeschränktes Gottesdienstangebot.
Als Gefängnisseelsorger stelle ich öfters fest, dass, wo die Leute Zeit haben, sie anfangen an Gott zu denken. Viele Menschen, die tagtäglich unter Arbeitsüberlastung stöhnen, nehmen sich oder haben keine Zeit zum Stillwerden oder Nachdenken. Fürchten wir uns davor, welche Gedanken kommen könnten? Und dann kommen sie im Gefängnis zu mir mit Fragen zum Glauben, zur Bibel oder einfach mit dem Bedürfnis zu beten oder beten zu lernen. Natürlich meine ich jetzt nicht, dass jeder ins Gefängnis muss, damit er Zeit zum Denken findet. Ich möchte nur zur Frage kommen: Wann und wo nehmen wir uns Zeit? Wäre es vielleicht doch möglich, dass wir uns auch im größten Trubel ein paar Minuten der Stille in einer Kirche oder einem Andachtsraum gönnen? Ist eine Zeit des Gebetes vielleicht auch während einer Bahnfahrt oder Busfahrt möglich? Gönnen wir uns doch auch in der Urlaubszeit gemeinsam mit der Familie die 50 Minuten Zeit für Gott? Sie sind eingeladen!
Zum Weiterdenken
Wo ist Gott im Alltag? Habe ich im Urlaub Zeit und einen Ort für mein Gespräch mit Gott?
Anton Pepelnik, Jahrgang 1953 und Vater von vier Kindern. Lehrer an Polytechnischer Schule, Diakon und Gefängnisseelsorger in Feldkirch/Vbg, Mithilfe in den Pfarren Koblach und Mäder.