Sich ganz auf den anderen einzulassen, birgt auch ein Risiko
Ausgabe: 2010/26, Jungs, Probleme, Beratung, Josef Hölzl, Vorbilder, Verständnis, Jugendliche
30.06.2010
- Josef Hölzl, Dipl. Ehe-, Familien- und Lebensberater
Freizeit,EDV,Computer,Internet,Jugendliche,Jugend,Elektronik,Technik,Zukunft,Bildschirm,Tastatur,email,e-mail,Kommunikation,Software,Spiele,Spielen,Computerspiel,
Copyright by BilderBox- Erwin Wodicka,A-4062 Thening; September 1999
Aus der Praxis: Markus, 15, hätte seiner Ansicht nach eigentlich keine Probleme, wenn man ihn nur in Ruhe lassen würde. Seine Umgebung sieht das nicht so, denn in Wirklichkeit hat er Probleme in der Schule und ständigen Krach zu Hause. Zusätzlich findet er keine Motivation zum Lernen und hat immer wieder „Stress“ mit Mitschülern und Lehrern. Zu Hause will er dann seine Ruhe haben und verbringt sehr viel Zeit vor dem Computer oder Fernseher. Die wenigen Kontakte mit seiner Mutter arten sehr schnell in Vorwürfe und Streit aus. Markus ging auch schon soweit, dass er seine Mutter mit Schlägen bedrohte. Ab nun war endgültig Handlungsbedarf. Seine Mutter machte einen Termin in der Familienberatungsstelle aus. Markus selbst war anfänglich nicht bereit, sich irgendwie unterstützen zu lassen. Erst als ihm dann noch der Rauswurf aus der Schule drohte, wurde ihm der Ernst seiner Situation bewusst, und er kam in die Beratungsstelle.
Jugendliche, die Probleme machen, haben meistens selbst Probleme. Trotzdem müssen sie einsehen, dass sie selbst für ihr Handeln verantwortlich sind.
Nach anfänglichem Widerstand wurden im Rahmen der Beratungsgespräche mit Markus seine aktuellen Themen und Probleme besprochen und erste Lösungsschritte erarbeitet. Maßgeblich zu einem Beratungserfolg trägt bei, dass Markus wieder Vertrauen in Erwachsene gewinnt, dass er sieht, dass er auch Unterstützung bekommen kann. Denn sowohl Lehrer, als auch vor allem die Eltern sind an seinem Leben interessiert.
Verständnis. Markus braucht sehr viel Verständnis, denn Jugendliche, die Probleme machen, haben selbst meist viele Probleme. Und trotzdem ist zu sehen, dass er bereits ein hohes Maß an Selbstverantwortung für sein Handeln hat. An seine Verantwortung, an seine Handlungsfähigkeit heranzukommen, ist eine Möglichkit, ihm zu zeigen, dass er ernst genommen wird und eine Form, ihn zu motivieren.
Vorbilder finden. In den Gesprächen geht es weiters darum, wie er mit seinen Konflikten umgeht, und wie er im Konfliktfall gewalttätige Übergriffe vermeiden kann. Wie bei vielen jungen Burschen wird sich Markus auch die Frage stellen müssen, welche (männlichen) Vorbilder derzeit sein Leben prägen und welche sich dann tatsächlich für eine gute Lebensgestaltung eignen, denn damit ist verknüpft, welche Bilder und Visionen er für seine Zukunft entwerfen kann. Als günstig hat sich erwiesen, wenn ein Junge mit Gewaltproblemen und meist damit verbundener Suche nach männlicher Identität im Rahmen einer professionellen Begleitung auf einen männlichen Berater trifft. Das hat auch Markus geholfen.
Beratung und Information: BEZIEHUNGLEBEN.AT, Tel. 0732/773676