„Die Sehnsucht nach Kontinuität, Orientierung und Gerechtigkeit ist groß“, schrieb ein hochrangiger Kirchenvertreter an den neuen deutschen Bundespräsidenten Christian Wulff. Dass sie Orientierung geben, dass man dort Halt findet, behaupten die Kirchen gerne von sich selbst – wenn da die dritte Sache nicht wäre: Gerechtigkeit. Sie sprengt die Kontinuität. Sie lässt nicht in Ruhe.Das ist ein Missverständnis unserer Zeit: dass Religion vor allem für das Wohlgefühl der Seele da wäre, zum Zur-Ruhe-Kommen. Lass deine Seele baumeln, versprechen vermeintlich religiöse Wohlfühlangebote. Doch mit der Seele baumelt dann bald der Mensch über der Leere. Es stimmt schon, dass Glaube zur Ruhe kommen lässt. Aber es ist eine wache, mutgeladene Ruhe, die den Wandel nicht scheut, hoch aufmerksam dafür, was im Sinne des Evangeliums zu tun ist. Es gibt eine Kontinuität, die zur Sünde wird, weil sie sich nicht mehr aus der Ruhe bringen lässt, und weil sie unempfindlich geworden ist für den Nächsten. Herr, nimm uns unsere ewige Ruhe, schenke uns dafür ewiges Leben, müssten Christen beten. Und: Nicht Kontinuität versprechen, sondern zu Umkehr und Wandel ermutigen, wäre vorrangige Botschaft der Kirchen.