Eintauchen in die Welt Südafrikas – dem Gastgeberland der Fußball-WM – und einmal eine andere Art von Unterricht genießen: Das ermöglichten zwei südafrikanische Sozialarbeiter Don Boscos auf ihrer Tour quer durch Europas Schulen. Auch in Österreich machten sie Halt.
Das Eis war schnell gebrochen, als Nkosana Mkhize und Lingoane Tlaile den Schülerinnen des Wirtschaftskundlichen Realgymnasiums Wels den Gummistiefeltanz beibrachten. Unter schallendem Gelächter wurde heftig auf die Füße geklatscht – so wie einst die Minenarbeiter Südafrikas auf ihre Stiefel klatschten und sich auf diese Weise untereinander verständigten, weil sie nicht sprechen durften. Neben Tanz, Musik und Spaß gaben die zwei Sozialarbeiter Don Boscos, die auf Einladung des Hilfswerks „Jugend Eine Welt“ nach Österreich gekommen sind, Einblicke in Südafrikas Geschichte und Kultur; zeigten die Herausforderungen und Probleme des Landes auf; machten darauf aufmerksam, dass eines besonders wichtig ist für die Kinder und Jugendlichen in ihrer Heimat: Bildung. „Es kommt ganz auf dich selber an, welche Entscheidungen du im Leben triffst. Bildung ermöglicht jungen Menschen, ihre Fähigkeiten zu erkennen, zu nutzen und ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und zu gestalten“, sagt Nkosana. „Und es ist von enormer Bedeutung, dass wir uns gegenseitig unterstützen“, wirft Lingoane ein. „Wir alle sind Menschen, jeder von uns ist wichtig. Unter der Haut sind wir alle gleich. Wenn es einem von uns schlecht geht und keiner hilft, dann geht es uns irgendwann allen schlecht. Wir müssen aufeinander Acht geben. Nur so entsteht Balance.“
Stärken. Spaß gekoppelt mit ernsten Inhalten – darauf setzen die zwei Südafrikaner auch bei ihrer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in verschiedenen Projekten, etwa dem Aids-Projekt „Life Choices“, der Salesianer Don Boscos in Johannesburg und Kapstadt. „In Workshops an acht Grundschulen und 16 Höheren Schulen beschäftigen wir uns mit jenen Themen, mit denen die jungen Leute konfrontiert sind wie zum Beispiel Gewalt, Armut, Drogen, Sexualität oder Aids. Daneben lassen wir immer wieder Humor, Rollenspiele, Musik und Tanz einfließen. Das bringt sie zum Lachen und sie denken gleichzeitig ernsthaft über ihr Leben nach. Sie lernen, ihre Stärken und Begabungen zu erkennen, respektvoll miteinander umzugehen, auf ihren Ruf zu achten, Pläne zu schmieden, Entscheidungen zu treffen, einander zu ermutigen und nicht aufzugeben, ihre Träume und Ziele zu verwirklichen“, so Nkosana.
WM. Über eines haben sich die österreichischen Schülerinnen besonders gewundert: Warum die Zuschauer in den WM-Stadien oft mit Schal und Mütze bekleidet sind. „Nun, wenn in Österreich Sommer ist, ist bei uns in Südafrika Winter. Da ist es dann auch kalt“, erklärt Lingoane. „Durch die WM erhalten die Menschen weltweit viele Informationen über unser Land, sehen wie wir leben, bekommen Einblicke in unsere Kultur, in die Schönheit Südafrikas. Dass die WM in unserer Heimat stattfindet, ist auch deshalb eine gute Sache, weil im Vorfeld nicht nur Stadien gebaut wurden, sondern auch Krankenhäuser und Straßen.“ Zur Sache
„Join the Game“
Mit dem Thema Sport und Entwicklung beschäftigt sich der entwicklungspolitische Verein „Jugend Eine Welt“ seit der Fußball-WM 2002 intensiv. „Fußball ist mehr als nur Wettkampf und Tore“, weiß Reinhard Heiserer, Geschäftsführer von „Jugend Eine Welt“, „Fußball lehrt Teamgeist, bringt Begeisterung, sportliche Motivation und ist ein wichtiges Element in der Entwicklungszusammenarbeit.“ Der Verein unterstützt unter anderem Fußballprojekte auf vier Kontinenten und vertreibt fair produzierte Fußbälle. Anlässlich der Fußball-WM 2010 schickt „Jugend Eine Welt“ im Zuge der Bildungskampagne „Join the Game – Champions for South Africa“ Kinder und Jugendliche auf eine virtuelle Reise ins WM-Gastgeberland Südafrika.