Ausgabe: 2010/27, Wort zum Sonntag, Freiheiten, Paradies, Pepelnik, Gebote, Gott
07.07.2010
- Anton Pepelnik
Im Paradies gab es nur eine Vorschrift: Du sollst nicht von dem einen Baum essen. Sie hielten sich nicht daran, und das Leben der Menschen wurde schwerer, schwieriger. Mose hat von Gott zehn Gebote erhalten. Unmittelbar davor steht eine positive Erfahrung – „ich, dein Gott, der dich aus dem Sklavenhaus Ägyptens befreit hat“. Nennen wir die Gebote anders, nennen wir sie die zehn großen Freiheiten, das Zusammenleben zwischen uns Menschen soll durch sie vereinfacht werden. Würden wir uns alle daran halten, gäbe es eigentlich keine Schwierigkeiten in der Welt. Jesus selber bemängelt, was Menschen aus den Geboten gemacht haben. Er sagt deutlich, dass das Leben und der Mensch wichtiger sind als Vorschriften. Jesus bringt das Beispiel vom Esel, der in die Grube fällt und fragt, ob man nun lieber den Esel verrecken lassen würde anstatt ihn am Sonntag, an dem Arbeit eben nicht erlaubt war, aus der Grube zu holen. Er sagt, nur wer den Nächsten anerkennt, wer immer das auch sei, erkennt auch Gott an. Er ist also gegen jeden Egoismus. Sind nicht auch bei uns immer mehr Gesetze notwendig, weil niemand mehr an den anderen denkt? Kleines Beispiel: Rasenmähen in der Mittagspause, obwohl andere vielleicht ausruhen möchten . . . Was du nicht willst, das man dir tut, das füg’ auch keinem andern zu. „Handle so, dass man dein Handeln jederzeit als gültiges Gesetz nehmen kann“, so formulierte es der Philosoph Immanuel Kant. Jesus unterscheidet sehr wohl, wer etwas tut. Es ist nicht das Gleiche, ob ein Reicher fünf Euro spendet oder eine arme Witwe. Aber bitte nicht den Fehler zu machen, der andere müsste doch . . . jeder soll zuerst bei sich anfangen. Denken wir an das Kreuz, der Längsbalken verweist uns von unserem Leben hin, oder unserem Elend weg, zu Gott. Der Querbalken umfasst sozusagen die ganze Erde, eben auch den Nächsten. Zuletzt eine Anmerkung: Jesus spricht im Beispiel vom Samariter auch ein Problem unserer Zeit an, nämlich das Verhältnis oder die Einstellung zu Ausländern.
Zum Weiterdenken
Wie stehe ich zu Geboten, Vorschriften? Wo mache ich welche? Wo ignoriere ich welche?
Anton Pepelnik Jahrgang 1953 und Vater von vier Kindern. Lehrer an Polytechnischer Schule, Diakon und Gefängnisseelsorger in Feldkirch/Vbg., Mithilfe in den Pfarren Koblach und Mäder. - sonntag@kirchenzeitung.at