Zeitgleich wurde am vergangenen Freitag in Eisenstadt und Rom die Ernennung von Dr. Ägidius Zsifkovics zum neuen Bischof von Eisenstadt bekanntgegeben. Durch eine Indiskretion aus dem Bundeskanzleramt wurde die bevorstehende Ernennung bereits in den Medien kolportiert, bevor der amtierende Bischof von Eisenstadt, Paul Iby, davon offiziell in Kenntnis gesetzt wurde. In der Diözese Eisenstadt hat die Ernennung zum jetzigen Zeitpunkt Überraschung ausgelöst, weil die vertrauliche Befragung von Priestern und Laienmitarbeitern durch den Apostolischen Nuntius erst in der zweiten Maihälfte stattgefunden hat.
Zsifkovics wurde 1963 in Güssing geboren. Er gehört wie der frühere Bischof Stephan Laszlo der kroatischen Volksgruppe an. Er studierte in Wien und Zagreb Theologie und in Rom Kirchenrecht. Nach seiner Priesterweihe 1987 war er u. a. als Ordinariatskanzler, als Verantwortlicher für den kroatischen Seelsorgebereich und die kroatische Kirchenzeitung und als Pfarrer von Wulkaprodersdorf (seit 1994) tätig. 1999 wurde Zsifkovics zum Generalsekretär der Österreichischen Bischofskonferenz gewählt. In einem ersten Grußwort freut er sich „auf die Zusammenarbeit mit allen auf Augenhöhe und im Geist der Communio“.
Der neue Eisenstädter Bischof heißt Ägidius Johann Zsifkovics. Die amtliche Bekanntgabe derErnennung durch Papst Benedikt XVI. erfolgte am Freitag um 12 Uhr im Vatikan.
Ägidius Zsifkovics stammt aus der Diözese Eisenstadt und ist Pfarrerin Wulkaprodersdorf. Er wurde am 16. April 1963 in Güssing geboren.Am 29. Juni 1987 wurde er vom damaligen Bischof Stefan Laszlo imEisenstädter Martinsdom zum Priester. Seit 1. Februar 1999 ist erauch Generalsekretär der Österreichischen Bischofskonferenz.
Zsifkovics: Zusammenarbeit auf Augenhöhe
Mit dem katholischen Grußwort \"Gelobt sei Jesus Christus\" in vierSprachen begrüßte der neue Bischof alle Menschen bei seinerVorstellung am Freitag in Eisenstadt. Allen voran dankte Zsifkovicsseinem Vorgänger, Bischof Paul Iby, \"für deine unkomplizierte,offenen und sympathische Art, mit der Du deinen Hirtendienstausgeübt hast und die Freiheit, die du uns, deinen Mitarbeitern,immer gegeben hast\".
Zsifkovics dankte auch allen Priestern, Diakonen, Ordensleuten,Pastoralassistenten, Religionslehrern und den haupt- undehrenamtlichen Mitarbeitern der Diözesen, den Dekanaten undPfarreien sowie allen Gläubigen für den treuen Dienst \"in dieser fürGlaube und Kirche so herausfordernden Zeit\". Als langjährigerPfarrer wisse er \"von meiner ’täglichen Arbeit an der Basis’, wieunentbehrlich diese Dienste für den Aufbau von Kirche sind und welchkostbares Geschenk uns das Zweite Vatikanische Konzil damit gegebenhat.\"
Er freue sich auf die \"Zusammenarbeit mit allen auf Augenhöhe und imGeist der Communio, erbitte mir ihre Mitarbeit, einenVertrauensvorschuss und ihr Gebet\", erklärte der neue Bischof. Seinebesondere Aufmerksamkeit und Wegbegleitung gelte seinen erstenMitarbeitern, den Mitbrüdern im priesterlichen Dienst sowie derSorge um neue geistliche Berufe.
Vertreter der Politik, Kunst, Kultur und Medien rief Zsifkovics auf,\"dem Gemeinwohl zu dienen und immer das Gute und Verbindende überalle parteipolitischen und ideologischen Grenzen hinweg stets zufördern\".
Einen Gruß \"von Herzen\" schickte Zsifkovics auch an die \"Schwesternund Brüdern im Glauben\" - die evangelischen Christen AB und HB -sowie alle Mitglieder anderer Konfessionen undReligionsgemeinschaften, hier vor allem der jüdischen. Er freue sich\"auf eine gute Zusammenarbeit in bewährter pannonischer Art, wo dasGemeinsame vor das Trennende gestellt wird, zum Wohl der unsanvertrauten Menschen\".
\"Zusammenleben der Volksgruppen Modellcharakter\"
Schließlich schickte Zsifkovics noch Grüße in der jeweiligen Sprachean die kroatische und die ungarische Volksgruppe sowie dieVolksgruppe der Roma: \"Das Zusammenleben der Volksgruppen in unseremLand ist Modellcharakter für andere in unserer Heimat. Bewahren wirdiesen kostbaren Schatz und bauen wir ihn zum Wohle aller aus\",appellierte der neue Bischof.
Mit seiner Ernennung gebe das kroatische Volk bereits den zweitenDiözesanbischof, erklärte Zsifkovics in seiner Muttersprache an diekroatische Volksgruppe gewandt. Das sei auch Zeichen dafür, \"dassder Glaube in unserem Volk lebendig ist, und das unser Volk unsereOrtskirche bedeutend bereichert. Das ist nicht nur eine große Freudeund Auszeichnung für unser Volk, sondern auch Verpflichtung undHerausforderung.\"
Iby: Weg des Dialogs fortsetzen
Bischof Paul Iby hat in einer ersten Stellungnhame Msgr. Zsifkovicszu seiner Ernennung gratuliert. Es sei für diesen \"der Beginn einerneuen, nicht leichten, Aufgabe\". Es solle Bischof Zsifkovics \"volleFreiheit für sein Wirken zugebilligt werden\".
Sein Wunsch sei es immer gewesen, so Iby, \"dass auch durch meinenNachfolger der Weg des Dialogs fortgesetzt werden möge. UnserDiözesanjubiläum steht ja unter dem Thema Begegnung und Dialog. DasWohl der Kirche und der Menschen in unserer Heimat möge dieUmsetzung dieses Zieles bestimmen.\"
Die Ernennung des neuen Diözesanbischofs erfolgte nach den inunserer Kirche geltenden Regeln, wobei es für die Diözese Eisenstadtkeine Sonderbestimmungen gibt, hielt Iby fest. Seinem Wunsch, dieDiözese bis zum Abschluss des Jubiläumsjahres zu leiten, sei mit derBegründung nicht entsprochen worden, dass es besser wäre, dieÄnderung mit Beginn des neuen Arbeitsjahres durchzuführen, so Iby:\"Das habe ich zur Kenntnis genommen.\"
Da durch Indiskretion die Ernennung des neuen Bischofs in die Mediengelangte, bevor der Weg der Befragung der ÖsterreichischenBundesregierung abgeschlossen war, sei es dazu gekommen, dass er -Iby - als zuständiger Diözesanbischof erst nach den Pressemeldungenvom Apostolischen Nuntius informiert worden sei. \"Das war so nichtvorgesehen und vom Apostolischen Nuntius auch nicht gewollt\",stellte der Eisenstädter Bischof fest.
Iby Apostolischer Administrator
Die Ernennung von Msgr. Zsifkovics zum Nachfolger von Bischof Ibyzieht kirchenrechtlich detailliert festgelegte Schritte nach sich:Der Bischofskandidat muss nach Erhalt des Schreibens, in dem ihm dieErnennung zum Bischof mitgeteilt wird, die Bischofsweihe innerhalbeiner Frist von drei Monaten empfangen. Erst danach kann der dieDiözese in Besitz nehmen.
Die Übernahme der Aufgaben und Pflichten des neuen Bischofs mussinnerhalb von vier Monaten erfolgen. Die Praxis zeigt, dass dieBischofsweihe und die offizielle Amtsübernahme beim festlichenGottesdienst anlässlich der Bischofsweihe zusammenfallen.
Für die Zeit der Sedisvakanz (= Zeitraum ab der Ernennung bis zurBesitzergreifung der Diözese) wird Bischof Paul Iby zumApostolischen Administrator ernannt. Nach der Amtseinführung seinesNachfolgers wird er zum emeritierten Bischof der Diözese Eisenstadt.
Wie Bischof Iby am Freitag mitteilte, habe er als Helfer bei der zuerledigenden Agenden in der Verwaltung der Diözese Prälat JohannesKohl zu seinem ständigen Vertreter im Amt des ApostolischenAdministrators ernannt. Kohl war bisher Generalvikar der DiözeseEisenstadt. Das Amt des Generalvikars erschlischt nach demKirchenrecht automatisch mit der Ernennung des neuenDiözesanbischofs.