Ägidius Zsifkovics wird neuer Bischof in Eisenstadt. Die Begleitmusik zu seiner Bestellung war von manchen Dissonanzen geprägt. Kritiker wie Befürworter haben sich dabei im Ton vergriffen und mit Unterstellungen statt mit Argumenten gearbeitet. Zsifkovics wurde zum Reibebaum für eine Auseinandersetzung zwischen jenen, die immer vehementer auf Reformen drängen, und jenen, die im sturen Festhalten die Zukunft sehen.
Zsifkovics hat, soweit Gesichertes über den zurückhaltenden Kirchenmann bekannt ist, persönlich nichts dazu beigetragen, dass er zu diesem „Reibebaum“ wurde. Das Einzige, was anlässlich seiner Bestellung tatsächlich kritisch im Raum steht, ist die Frage, inwieweit die Priester und Laien der Diözese in die Kandidatenfindung eingebunden waren und auch gehört wurden. Kardinal Schönborn betonte, dass die „bewährte Vorgangsweise bei der Vorbereitung einer Bischofsernennung eingehalten wurde“. Kritiker haben da ihre Zweifel, weil die Befragung des Klerus durch den Apostolischen Nuntius, wie man hört, erst in der zweiten Maihälfte stattgefunden hat. Um diese Ergebnisse auch im römischen Auswahlverfahren ausreichend zu berücksichtigen, sei die Zeit zu kurz gewesen. Sie sehen Zsifkovics vor allem als Kandidaten von Kardinal Schönborn und anderer Bischöfe, die ihn seit Jahren als Generalsekretär der Bischofskonferenz kennen.
Für Zsifkovics spricht seine doppelte Erfahrung als Pfarrer und als Mann der Verwaltung. Es wird an beiden Seiten liegen, ob der von ihm angesprochene Dialog auf Augenhöhe gelingt und er – auf seine Art – Bischof für alle wird.Hans Baumgartneri