Es ist schon bemerkenswert, dass Jesus einkehrt, wo offensichtlich nur Frauen sind – er ist bereit bei Marta und Maria zu bleiben und auch mit ihnen zu diskutieren und sie zu lehren. Üblich war das damals allerdings nicht. Marta kümmert sich um Jesu Wohlergehen. Aber sie stellt Jesus dann doch die Frage, ob das denn recht sei, dass sie die Arbeit allein mache; ein Punkt, der schon seit jeher zu Diskussionen führt. Versuchen wir uns das aber einmal vorzustellen, wie es wäre, wenn wir zwar sehr sorgfältig bewirtet würden, aber die ganze Zeit, während für uns gekocht und anderes getan wird, wir allein dasitzen müssten? Aber ich möchte es betonen, Jesus hat Martas Arbeit nicht abgewertet, sondern anerkannt, dass sie viel für ihn tut. Haben die Frauen es vorher gewusst, dass Jesus kommt und hätten sie daher alles vorher vorbereiten können? Ich glaube nicht. Oder wie wäre es mit Arbeitsaufteilung? Wenn es nur um Tratsch geht, wäre das vielleicht noch eher in Ordnung, aber Jesus redete sicher persönlicher, um nicht zu sagen wesentlicher, mit Maria. Das Gespräch zu unterbrechen, um mit Marta weiterzureden, wäre sicher nicht so einfach gewesen. Oder wäre es uns angenehm, wenn mitten in einem Gespräch der Partner verschwindet? Ich bin mir sicher, dass alle es schätzen, wenn uns jemand zuhört, aufmerksam zuhört. Und durch das Zuhören, durch das Auf-jemanden-Hören sollten dann ja Taten entstehen – natürlich nach eigenem Bedenken und Überlegen, nicht bloß einfach nachahmen, ohne den Sinn verstanden zu haben. Es sollte also nicht umgekehrt sein, dass man zuerst etwas tut und sich nachher dann die Frage stellt, ob das so richtig war. Jesus konnte zuhören, er verurteilte nicht gleich – zum Beispiel den Zöllner oder die Sünderin.
Zum Weiterdenken
Können wir zuhören? Hören wir das Wesentliche? Hören wir wirklich, was uns jemand sagen will? Folgen dem Hören dann die entsprechenden Taten? Wer hört uns zu? sonntag@kirchenzeitung.at