Seichtes Sommertheater? – Nicht mit dem Theater Hausruck. „Man darf die Leute nicht für dumm verkaufen!“, ist Regisseur Georg Schmiedleitner überzeugt. Gesellschaftskritische Themen sind auch im Sommer gefragt. Heuer steht mit „EAT“ die aktuelle Wirtschaftskrise auf dem Programm.
Moneten und Menschen. Mit „EAT“ widmet sich das Theater Hausruck heuer der Allgegenwart der ökonomischen Krise und fragt nach den unmittelbaren Auswirkungen vor Ort. Geld und Gesellschaft, Moneten und Menschen sind die Themenfelder, die dabei eingekreist werden. Das Theater holt Betroffene ins Boot, lässt Geschichten erzählen, die unter die Haut gehen von Menschen, die unter die Räder gekommen sind, von Gescheiterten, Erfolgreichen, Verwirrten und Mutigen. Profi- und Laienschauspieler/innen, darunter viele Einheimische, sind engagiert. „Die Schauspieler/innen sind Sprachrohre der Menschen, die sonst keinen Auftritt haben“, erklärt Chris Müller das Konzept. Monatelang haben die künstlerischen Leiter Georg Schmiedleitner und Chris Müller in Attnang Lebensschicksale recherchiert und Interviews mit Bewohner/innen von Attnang geführt.
Jahrmarkt der Globalisierung. Im Stück „EAT“ werden Bilder einer Gesellschaft entworfen, die durch die wachsende Einkommensschere auseinanderzubrechen droht. Arm und Reich – der Graben wird immer tiefer. Das Rad der Zeit dreht sich schneller, wie in einem nicht enden wollenden Kirtag werden ständig Waren aus aller Welt feilgeboten. Gewinner/innen und Verlierer/innen der Globalisierung sitzen im selben Karussell, wer schafft den Ausstieg? – Das Stück „EAT“ will vor allem eines vermitteln: das Gefühl der Ungewissheit, Rastlosigkeit. Am Ende wird dennoch eine Vision sichtbar. Das Stichwort „Solidarität“ lässt in der Schlusszene Hoffnung aufkeimen.
Theater ist keine Komfortzone. Wie es mit dieser Welt weitergeht, liegt am Engagement Einzelner, an den Konsument/innen und an den Rahmenbedingungen, die die Politik schafft – sich das bewusst zu machen, auch das kann ein Abend im Theater bewirken. „Theater ist keine Komfortzone. Es ist ein Medium mit der Kompetenz zu irritieren, zu kämpfen, zu hinterfragen, die Zustände zu sehen, wie sie sind, und dadurch neue Erkenntnisse zu gewinnen“, sagt Schmiedleitner.
Exklusiv. Das Theater Hausruck nutzt dazu einen Umschlagplatz der Wirtschaftskrise als Aufführungsort: Die einstmals erfolgreiche Polstermöbelfabrik HASAG. Die 5000-m2-Halle steht nach einem Konkurs seit einigen Monaten fast leer. Am Samstag, 24. Juli wird dort ab 20 Uhr der „Kapitalismus-Kirtag und Kehraus“ mitten in Attnang-Puchheim stattfinden. Nur einmal und exklusiv für 999 Personen. Der Inhalt ist Programm – auch in der Durchführung. Ein Theaterabend der anderen Art, den man sich nicht entgehen lassen sollte.
Zur Sache
Theater: Kapitalismus - Kritik in Werkshalle
In den riesigen, jetzt leeren Hasag-Werkshallen lässt „EAT“ verschiedene Protagonisten der Finanzwelt im Rahmen eines Kirtags aufmarschieren. Es wird das letzte große Fest vor dem Zusammenbruch des gesamten Wirtschaftssystems inszeniert. Die Besucher/innen bewegen sich in Gruppen durch die Hallen und werden Teil des Programms. An mehreren Plätzen wird gleichzeitig gespielt. Idee und künsterlerische Leitung: Chris Müller und Georg Schmiedleitner.