Weithin kann man ihn wieder hören, den Jedermann-Ruf bei den Salzburger Festspielen. Das Spiel des reichen Mannes, immer aktuell und zeitlos! Wie eine gute Inszenierung passt das Evangelium dazu. Jesus erzählt vom reichen Mann, der sich riesige Scheunen baut, um seine Getreidevorräte unterzubringen. Und so wie beim Jedermann ist die Antwort Jesu klar und einfach: „Du Narr, noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern.“ Wohin dann mit deinem Reichtum? Jesus stellt die Sinnfrage, trifft den Kern von Gestaltung und Ausrichtung des Lebens. Er warnt vor jeder Art von Habgier und Überfluss. Die Ausdrücke haben sich geändert, heute spricht man von Wachstumsraten, Konsumzwang, Profitgier, Einschaltquoten etc. Die Wurzel ist dieselbe. Habgier hat letztlich mit Geliebt-werden-Wollen und auch mit Lieblosigkeit zu tun. Habgier produziert Modernisierungsverlierer, Unschuldige, die alles ausbaden müssen, Armut. Habgier hat mit den negativen Folgen von Globalisierung zu tun. Sie fesselt, macht unfrei, hemmt Phantasie und Kreativität. Habgier steigert die Angst vor Verlust und fördert den Drang nach immer mehr und immer größer. Sie verzerrt die Wahrnehmung für den Nächsten, zerstört Beziehungen, Umwelt, solidarisches Denken. Habgier will sich letztlich den Himmel auf Erden sichern, das Paradies vorwegnehmen.
Die Jesus-Alternative ist klar, Schätze sammeln, die vor Gott reich machen: Schätze, die aus einer Grundachtung und tiefen Wertschätzung dem Leben gegenüber entstehen; Schätze, die bewusstes Wahrnehmen und Umsetzen von Nächstenliebe erkennen lassen; Schätze, die sich durch Sensibilität und konkretes Handeln entwickeln, gemeinsam mit Menschen am Rand der Gesellschaft. Und da gibt es noch die Schätze, die sich einfach durch ein Lächeln ergeben, das ausdrückt: Es ist gut, dass du da bist!
Zum Weiterdenken
Ein keltischer Trinkspruch lautet: „Mögest du leben solange du willst, und es wollen, solange du lebst.“ An den Schätzen, die ich sammle, kann man erkennen, woran mein Herz hängt. Woran hängt mein Herz?
Helmuth Zipperle, Ständiger Diakon (ehrenamtlich) im Bereich Seelsorge bei Menschen mit Behinderungen und Fachinspektor für Kath. Religionsunterricht in der Diözese Innsbruck.- sonntag@kirchenzeitung.at