Gotik, Rokoko, Barock und Moderne: Wer im Dekanat Kremsmünster durch die Lande streift, entdeckt nahe beieinander Kirchenbauten aus verschiedenen Epochen und malerische Landschaft. Eine Kirchenwanderung bietet sich an: Eine der schönsten Rokoko-Kirchen Österreichs steht etwas unvermutet in Pfarrkirchen. In der gotischen Wallfahrer-Kirche Adlwang versteckt sich eine bunt behängte Votivbild-Wand hinter dem Hochaltar. Der Kurort Bad Hall lockt mit dem neugotischen Haller Dom und dem Kurpark aus Kaiserzeiten.
Eine Kirche, ein Gasthaus, ein Schloss und ein paar Häuser rundherum: So präsentiert sich Pfarrkirchen bei Bad Hall den Vorbeispazierenden. Ein Blick in die Kirche lässt staunen: Ein Juwel des Rokoko mit prachtvollen Deckenfresken erwartet die Besucher/innen. Thematisch hat der Maler Wolfgang Andreas Heindl (1683–1757) auf Wunsch der Auftraggeber „die große Kraft des Blutes Christi“ eingefangen. Eine „Reliquie des Kostbaren Blutes“, die im 18. Jahrhundert als Geschenk nach Pfarrkirchen kam, war ausschlaggebend dafür. Da der erste Auftraggeber, Pater Karl Prugberger, Angst hatte, er könnte die Fertigstellung der Fresken nicht mehr erleben und ein möglicher Nachfolger könnte diese unvollendet lassen, ließ er den Maler unter der Musikempore beginnen. Dort findet sich unter anderem das Fresko „Der Barmherzige Samariter“ (siehe großes Bild). Im Jahr 1748 arbeitete sich der Maler somit vom Kircheneingang bis in den Altarraum vor und vollendete die Deckenfresken. Von Anfang an war Pfarrkirchen, das in den Ursprüngen bis ins 8. Jahrhundert zurückgeht, fest mit dem Stift Kremsmünster verbunden. Das gilt auch für den benachbarten Kurort Bad Hall. In zehn Minuten erreicht man durch den Kurpark flanierend das idyllische Städtchen, das auf eine 700 Jahre alte Marktgeschichte zurückblickt.
Gotik und Moderne. Die Margarethenkapelle, ursprünglich eine Filialkirche von Pfarrkirchen, wurde1298 erstmals urkundlich erwähnt. Der jetzige Bau stammt aus dem 14. Jahrhundert. Bis ins 18. Jahrhundert diente das gotische Kirchlein als Pfarrkirche und wird heute – mit modernen Glasfenstern von Rudolf Kolbitsch ausgestattet – als Andachtsraum genutzt. 1857 wurde der Kirchenbauverein „Margarethen“ gegründet mit dem Ziel, eine größere Kirche zu errichten. Die neue Kirche von Hall sollte an das 1100-Jahr-Jubiläum von Kremsmünster erinnern. Mit der Planung beauftragt wurde Architekt Otto Schirmer. Wer beim Anblick der Haller Kirche Parallelen zum Mariendom in Linz zieht, liegt richtig: Derselbe Architekt war hier am Werk.
Natur & Kultur erwandern. Vom Haller Dom geht es durch den Kurpark Richtung Adlwang. Mit 27 Hektar und einem 40 km langen Wegenetz bietet zunächst der Kurpark viele lauschige Plätzchen und Spaziermöglichkeiten. Adlwang erreicht man von dort in ca. 45 Minuten. Eine gotische Kirche und ein Hl. Brunnen laden Kurzwanderer zum Innehalten ein. Eine Votivwand mit zahlreichen Bildchen hinter dem Altar zeigt die Dankbarkeit der Pilgerschar. Das Bildnis des blutschwitzenden Heilands erzählt seitlich neben dem barocken Hochaltar hängend von blühenden Wallfahrerzeiten aus dem 16. und 18. Jahrhundert. An den „goldenen Samstagnächten“ nach dem Fest des hl. Michael (29. September) kommen heute noch bis zu 10.000 Besucher/innen aus nah und fern nach Adlwang.
Kunst und Kirche auf Augenhöhe
Von Kremsmünster bis Kollerschlag, von Linz bis Peuerbach: Künstlerische Interventionen im Sakralraum durchziehen Oberösterreich. Die Diözese Linz ist österreichweit federführend in der künstlerischen Gestaltung ihrer Kirchen. Die kürzlich präsentierte Publikation „Kunst und Kirche auf Augenhöhe“ lenkt den Blick auf Arbeiten, die von 2000 bis 2010 entstanden sind. Sie gibt einen guten Überblick über die aktuellen Arbeiten in Oberösterreich und macht Gusto auf einen Besuch vor Ort.
Kunst auf hohem Niveau. Ein Altarraum soll neu gestaltet, ein Glasfenster oder eine Glocke entworfen werden? Das Kunstreferat der Diözese und die jeweilige Pfarre treten miteinander in Kontakt, Bedürfnisse werden abgeklärt, Wettbewerbe ausgeschrieben. An die 90 Projekte sind seit dem Jahr 2000 in der Diözese Linz (mit ihren mehr als 480 Pfarren) entstanden, 90 Künstler/innen waren beteiligt. Kunst und Kirche sollen einander auf Augenhöhe begegnen. „Liturgische Räume brauchen eine qualitätvolle künstlerische Gestaltung, weil durch die Sprache der Kunst der Mensch die Möglichkeit hat, Inhalte auszudrücken, die in plakativen Aussagen und im vordergründigen Gestalten nicht möglich sind“, erklärt Ewald Volgger, Professor für Liturgiewissenschaft an der Kath.-Theol. Privatuniversität Linz, seinen Zugang. Für den Künstler Alfred Haberpointner sind „Sakralräume durch die Spiritualität außergewöhnliche Orte, die für mich als Künstler nicht nur inspirierend, sondern auch herausfordernd sind. Die Aura von Sakralräumen steigert die Sensibilität für das Empfinden von Kunst, auch zeitgenössischer“. Der Künstler gestaltete im Jahr 2005 den Altarraum in Hargelsberg mit Kupfer als Material.
- Kunst und Kirche auf Augenhöhe. Künstlerische Gestaltungen in der Diözese Linz 2000–2010, Martina Gelsinger, Alexander Jöchl, Hubert Nitsch (Hg.), Euro 20,–. Zum Buch gibt es eine Ausstellung mit Schautafeln, die gerne entlehnt werden kann. Info: Kunstreferat 0732/73 65 81-44 40.쇓