Urlaub – Zeit, wo der Mensch in uns nachkommen darf; Zeit des Abstandnehmens; Chance, Gewohntes zu verlassen und manches danach neu zu sehen und anzupacken. Janosch erzählt in einer Geschichte: Ein Tiger und ein Bär sehnen sich nach ihrem Traumland. Sie packen zusammen, verlassen ihr Haus und machen sich auf den Weg. Sie treffen eine Krähe. Diese lädt sie ein, auf einen Baumwipfel zu steigen. Mühsam klettern sie hinauf. Oben angelangt, sind sie überwältigt von der Schönheit des Landes. Das ist das Traumland, das sie schon lange gesucht haben – es war ihr eigenes Land. Sie steigen herunter und finden ein verlassenes Haus – es war ihr eigenes, es kam ihnen nur schöner und größer vor. Sie zogen (wieder) ein und waren glücklich, ihr Traumland gefunden zu haben. Manchmal denk’ ich, mit dem Glauben ist es ähnlich. Glaube ist eine andere Perspektive der Welt, die mich aufbrechen und Leben und Alltag anders, neu sehen lässt. Glaube ist Beziehung, lebt aus der Zuwendung eines liebenden, bergenden Du. Glaube heißt von daher, die Welt mit der Präsenz Gottes in der Welt zu sehen, mit seinen Augen, Ohren, Sinnen. Glaube braucht konkrete Umsetzung, Gestaltung, braucht Pflege; so wie Beziehung gepflegt werden muss. Die Perspektive des Glaubens ist die einer geschwisterlichen, solidarischen Welt, ohne deswegen durch die rosarote Brille zu schauen. Beziehung braucht Antwort, braucht das Miteinander; Glaube ist Antwort der Beziehung zu einem lebensbejahenden, liebenden Gott. Glaube ist letztlich auch Entscheidung für jemanden, der mich zärtlich an der Hand nimmt, sie manchmal loslässt, manchmal fester hält. Glaube braucht die Entscheidung, sich vertrauend und hoffend an der Hand nehmen zu lassen. Ich brauche täglich diese bergende Hand.
Zum Weiterdenken
Glaube ist Feststehen in dem, was man erhofft; überzeugt sein von Dingen, die man nicht sehen kann (Hebr 11, 1). Feststehen – Loslassen – Aufbrechen. Drei Dimensionen, die einander ergänzen und beleben. Welche Erfahrungen habe ich schon damit gemacht?
Helmuth Zipperle Ständiger Diakon (ehrenamtlich) im Bereich Seelsorge bei Menschen mit Behinderungen und Fachinspektor für Kath. Religionsunterricht in der Diözese Innsbruck.- sonntag@kirchenzeitung.at