Das größte Altarbild Oberösterreichs in der Pfarrkirche Garsten zeigt die Aufnahme Mariens in den Himmel, Serie: Kunstschätze aus OÖ. Kirchen
Ausgabe: 2010/32, Altarbild, Oberösterreich, Garsten, Aufnahme Mariens in den Himmel, Kunstschätze aus OÖ. Kirchen,
11.08.2010
- Martina Gelsinger
Die Kirche in Garsten ist mit ihrer barocken Ausstattung voll von Anspielungen auf himmlische Freuden: fröhlich spielende Putti, üppige Fruchtgirlanden und Bilder, die Lebenshaltungen zeigen, die den Weg in den Himmel öffnen. Inmitten dieser Szenerie schwebt am Hochaltarbild eine Frau auf einer Wolkensäule. Auf ihrer „Fahrt“ in den Himmel hat sie Zuschauer. Die auf der Erde zurückgebliebenen Männer, die Apostel, blicken ihr staunend und gestikulierend nach. Maria wird von Engeln geleitet. Sie weisen ihr den Weg, der durch einen hellen Lichtstrahl erleuchtet ist. Ganz eifrige unter ihnen stemmen ihre Hände gegen die Wolken, als könnten sie die „Himmelfahrt“ mit eigener Kraft beschleunigen.
Etwa 60 Kirchen in Oberösterreich sind der Aufnahme Mariens in den Himmel geweiht. In der Pfarrkirche Garsten hat der Antwerpener Maler Frans de Neve 1683 dieses Ereignis auf einer Länge von 7,4 Metern am Hochaltar dargestellt und damit das größte Altarbild Oberösterreichs geschaffen. Der Körper Mariens hat sich vom Boden gelöst und schwebt nach oben. Ein Vorgang, der den Gesetzen der Schwerkraft widerspricht und zugleich auch dem menschlichen Bestreben mit Hilfsmitteln die himmlischen Sphären zu erkunden Aus-druck gibt. Auch an anderen Orten im Raum wird die Unverhältnismäßigkeit von Mensch und Gewicht und das Hinterfragen von physikalischen Gesetzmäßigkeiten gezeigt: Muskulöse Frauengestalten stemmen das Gewölbe des Langhauses, und das Gewicht der Hochaltarsäulen scheint auf den Schultern von zarten Putti zu lasten. Können die himmlischen Wesen, oder anders ausgedrückt, kann der Glaube an die Gegenwart Gottes irdische Gesetzmäßigkeiten überwinden und im sprichwörtlichen Sinne Berge versetzen? Mehr als 250 Jahre nach Fertigstellung der Kirche gestaltet Michael Kienzer im Jahr 2009 die liturgischen Orte Altar, Ambo und Sedes. Altar und Ambo erhalten das gleiche „Gewicht“. Es sind jeweils glatt polierte Edelstahlblöcke, die 300 Kilogramm wiegen. Damit setzt der Künstler dem Bestand ein Gewicht entgegen und macht zugleich auf metaphorischer Ebene sichtbar, wo das eigentliche Gewicht des Raumes liegt, an welcher Stelle das gewichtigste Argument vorgebracht wird. Der Tisch des Brotes und der Tisch des Wortes: Zwei Labstellen auf dem Weg zu den himmlischen Freuden, zu der erhofften Existenz bei Gott, und zugleich Anker, im irdischen Leben den Boden unter den Füßen nicht zu verlieren.