Spannende Neuerscheinungen – Literatur-Reihe von Maria Fellinger-Hauer
Ausgabe: 2010/32, Romane, Literatur, Reihe, Wir müssen uns irgendwie ähnlich sein, Pontius Pilatus, Neuerscheinungen
11.08.2010
- Maria Fellinger-Hauer
Maria Fellinger-Hauer stellt in der Reihe „Literatur“ Neuerscheinungen aus Österreich vor.
„Wir müssen uns irgendwie ähnlich sein“ ist der erste Roman der in Prag geborenen Markéta Pilátová. Die Geschichte handelt von vier Frauen, zwei alten und zwei jungen. Maruska, die Jugendliebe des Protagonisten Jaromir und Luiza, seine spätere Ehefrau, machen sich mit Hilfe von Marta und Lena auf die Suche nach ihrer jeweils persönlichen Geschichte mit Jaromir, der vor dem Zweiten Weltkrieg nach Brasilien floh, und später als Spion nach Tschechien zurückkehrt, in ein Lager kommt und dort die Zigeunerin Johanna kennenlernt, deren Schicksal sich im Lauf der Geschichte auch mit dem Maruskas und Martas verbindet. Anhand der einzelnen Frauenschicksale wird die Geschichte Tschechiens vom Zweiten Weltkrieg bis heute aufgerollt. Die nationalsozialistische Verfolgung ebenso wie das Leben in zwei Diktaturen. Die einzelnen Kapitel werden jeweils von einer der Frauen erzählt, unterbrochen von den Briefen Jaromirs. In ihren Schilderungen treffen jugendlicher Übermut auf Altersweisheit, verstörende Erinnerungen auf aktuelle Liebesgeschichten und heutiger Alltag auf Historisches. Die Spurensuche verändert das Leben aller. Ein zauberhafter, humorvoller und tiefsinniger Roman.
Markéta Pilátová, Wir müssen uns irgendwie ähnlich sein, Residenz Verlag 2010, Wien, 208 Seiten
- Der 1961 in Zagreb geborene Dramatiker und Romancier Miro Gavran – einer der renommiertesten kroatischen Autoren seiner Generation – hat bereits mehrere viel beachtete historische Romane über biblische Gestalten vorgelegt. Mit dem Roman Pontius Pilatus lässt er den Ich-Erzähler die fiktiven Bekenntnisse des römischen Statthalters in Judäa abgeben. Vor dem Auge des Lesers/ der Leserin wird ein Mann lebendig, der genau das geworden ist, was seine Herkunft und seine Erziehung aus ihm machen wollten: ein macht- und karrierebewusster, von seinen Gefühlen abgekoppelter Zyniker. Doch am Höhepunkt seiner Karriere wird er von Zweifeln gepackt. Bitterkeit und Selbstvorwürfe quälen ihn. Und die Geschichte nimmt eine Wendung. Der Roman ist für biblisch einigermaßen Bewanderte leicht zu lesen. Und er eröffnet eine Vielzahl an gedanklichen und spirituellen Dimensionen, sodass die Lektüre durchaus zum Nachdenken über die eigenen Grundsätze und Bestimmtheiten anstoßen kann.