Eine heitere, gleichzeitig aber auch ernste Atmosphäre wollte Anton Lehmden in der alten Kirche von Deutschkreutz schaffen. „Ich wollte diese Kirche zu einem Schmuckkästchen machen. Was mir wichtig war und besonders am Herzen gelegen ist, war das Bestreben, dass dieser einfache Sakralraum veredelt wird. Die Gestaltung der Kirche soll gewährleisten, dass man hier so richtig durchatmen kann und die Atmosphäre dieses Sakralraumes, der zwar schlicht, fast spartanisch, aber doch mit einem gewissen Luxus ausgestattet ist, an sich herankommen lässt“, sagt Anton Lehmden über seine Ausgestaltung.
Im Jahr 1966 erwirbt Anton Lehmden das Renaissance-Schloss in der mittelburgenländischen Weinbaugemeinde Deutschkreutz. Lehmden, 1929 in der Slowakei geboren, steht Mitte der Sechzigerjahre am Zenit seiner künstlerischen Laufbahn, hat weltweit ausgestellt, in Tokio, Montevideo, Los Angeles, New York, Rom und Berlin, war Biennale-Teilnehmer in Venedig und São Paulo, hat wichtige internationale Preise erhalten und in Istanbul gelehrt. Als die Pfarrkirche in Deutschkreutz erweitert werden soll, liefert Lehmden sämtliche Entwürfe für die großangelegte Umgestaltung. Die Arbeiten beginnen Anfang 1973 und können bereits im Juni des darauffolgendes Jahres abgeschlossen werden.
Madonna im Weinberg. Lehmden entwirft einen monumentalen Stiegenaufgang, Zubauten und die Innengestaltung. An der Nordfassade gestaltet er ein großes Mosaik, im Innern bemalt er sechs Glasfenster und schafft das Andachtsbild „Madonna im Weinberg“. Die Gestalt Marias wirkt wie eine Säule, als Mittlerin zwischen Himmel und Erde. Diese Rolle bringen die Farben des Gewandes symbolisch zum Ausdruck: Das Blau des Mantels steht für den Himmel, das Grün des Kleides versinnbildlicht die Erde. „Wie ein Vorhang fällt das Blau vom Himmel, und das Grün ragt wie eine Säule hinein“, sagt Lehmden.
Gesamtkunstwerk Lehmden-Kirche. 1996 beginnt Lehmden nach jahrelanger Pause mit der Arbeit an einem Kreuzweg auf 14 Carrara-Marmor-Platten und schließt sie 1998 ab. Im Jahr 2000 bemalt er die restlichen großen sechs Fenster, die Oberlichten und die kleinen Fenster. Auch die Säulen, Spiegel und die Empore-Brüstung erhalten einen zarten Anstrich. Gleichsam als Krönung schafft Lehmden auf großen Carrara-Marmor-Platten zwei Bildtafeln für die Lisenen neben der Apsis: „Die Geburt Christi“ und die Szene „Die Auferstehung“, die den Kreuzweg abschließt. Damit ist ein Gesamtkunstwerk abgeschlossen.
Das kühle Schimmern des Inneren einer Muschel. Bei der Renovierung 2001 erhält die Kirche einen zarten türkisgrünen Farbton nach Anton Lehmdens Vorstellungen. Jeder, der die Kirche betritt, solle „eine besondere Leichtigkeit und eine helle, stille und angenehme Atmosphäre vorfinden, die an das kühle Schimmern des Inneren einer Muschel erinnert“, wünschte sich der Künstler. Diese Grundstimmung und Filigranität sind deutlich zu spüren. Zuletzt gestaltet Lehmden eine Kupferplatte, hinter der sich eine kleine Unterkirche verbirgt.
Bibel als das Buch der Kindheit. Die Beziehung des Malers Anton Lehmden zur Bibel wird bereits früh grundgelegt. „Das Alte und Neue Testament waren die Literatur meiner Kindheit“, sagt er. „Ich habe es faszinierend erlebt. Ich habe da wirklich kreuz und quer gelesen, das war fast wie ein Brevier für mich.“