Ausgabe: 2010/32, Sonntag, Evangelium, Lesung, Zipperle, Wort zum Sonntag, Maria Himmelfahrt, Mariä Aufnahme in den Himmel, 15. August, Mariengebet, Magnifikat Marias
12.08.2010
Das Magnifikat Marias beschreibt ihre besondere Beziehung und Zuneigung zu Gott. Aufrichten, Mut machen und Gott loben für seine großen Taten – dieses Lied klingt für alle Kleinen, Unbeachteten und Unterdrückten dieser Welt. Es klingt aus dem Vertrauen in einen Gott heraus, der groß ist, weil er Menschen aus dem Staub herausholt und sie aufrichtet.
Evangelium
Lk 1, 39–56
Nach einigen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet. Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ. Da sagte Maria: Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig. Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten. Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen. Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen, das er unsern Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig. Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr; dann kehrte sie nach Hause zurück.
1. Lesung
Offb 11, 19a; 12, 1–6a. 10ab
Der Tempel Gottes im Himmel wurde geöffnet und in seinem Tempel wurde die Lade seines Bundes sichtbar [. . .] Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt. Sie war schwanger und schrie vor Schmerz in ihren Geburtswehen. Ein anderes Zeichen erschien am Himmel: ein Drache, groß und feuerrot, mit sieben Köpfen und zehn Hörner und mit sieben Diademen auf seinen Köpfen. Sein Schwanz fegte ein Drittel der Sterne vom Himmel und warf sie auf die Erde herab. Der Drache stand vor der Frau, die gebären wollte; er wollte ihr Kind verschlingen, sobald es geboren war. Und sie gebar ein Kind, einen Sohn, der über alle Völker mit eisernem Zepter herrschen wird. Und ihr Kind wurde zu Gott und seinen Thron entrückt. Die Frau aber floh in die Wüste, wo ihr Gott einen Zufluchtsort geschaffen hatte [. . .] Da hörte ich eine laute Stimme im Himmel rufen: Jetzt ist er da, der rettende Sieg, die Macht und die Herrschaft unseres Gottes und die Vollmacht seines Gesalbten [. . .]
2. Lesung
1 Kor 15, 20–27a
Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen. Da nämlich durch einen Menschen der Tod gekommen ist, kommt durch einen Menschen auch die Auferstehung der Toten. Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht. Es gibt aber eine bestimmte Reihenfolge: Erster ist Christus; dann folgen, wenn Christus kommt, alle, die zu ihm gehören. Danach kommt das Ende, wenn er jede Macht, Gewalt und Kraft vernichtet hat und seine Herrschaft Gott, dem Vater, übergibt. Denn er muss herrschen, bis Gott ihm alle Feinde unter die Füße gelegt hat. Der letzte Feind, der entmachtet wird, ist der Tod. Sonst hätte er ihm nicht alles zu Füßen gelegt.
Gruß dir!
Gruß dir, Gefäß der Freude, Gruß dir, du strahlender Morgen, der hervorbringt die Sonne Christus, Gruß dir, Wohnstätte des Lichtes, Gruß dir, du Muschel, die die kostbare Perle Christus umfasste, Gruß dir, die du Eva von ihren Tränen erlöstest, Gruß dir, durch die der Schöpfer ein Kind wird, Gruß dir, Anfang der Wunder Christi, Gruß dir, fruchttragender Baum, Gruß dir, du alles Liebessehnen besiegende Zärtlichkeit, Gruß dir!
Mariengebet aus der orthodoxen Liturgie
Wort zum Sonntag
Gesegnet bist du
Magnifikat – Aufrichten, Mut machen, Lobpreis. In eindrucksvollen, klaren, tiefgehenden Worten beschreibt Maria ihre besondere Beziehung und Zuneigung zu Gott. Aber nicht nur das. Sie zeigt in diesem Lied auch unmissverständlich die eigentliche Wertordnung Gottes auf. Nicht selten wird das Magnifikat als frommes Protestlied über die Größe Gottes und jede Form von Unmenschlichkeit bezeichnet. „Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen, die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen . . .“
Das Lied Marias klingt für alle Kleinen, Unbeachteten und Unterdrückten dieser Welt. Es klingt aus dem Vertrauen in einen Gott heraus, der groß ist, weil er Menschen aus dem Staub herausholt und sie aufrichtet. Die Erfahrung Marias wird zur Botschaft: Was er an mir getan hat, das tut er auch an euch. Ich darf wie Maria entdecken, Gott hat mich angeschaut, er gibt mir Ansehen. Gott wirkt auch in meinem Leben Großes. Er hat mit jeder, mit jedem von uns einen Plan. Daher darf ich sagen: Ich bin vor Gott wertvoll, auch wenn ich Vieles an mir entdecke, das mich entmutigt und bekümmert. Ich bin wertvoll, auch wenn ich nichts vorzuweisen habe, meine Kräfte gering sind und ich mir nur wenig zutraue. Vor Gott bin ich auch dann wertvoll, wenn ich wenig Liebe empfangen oder geben kann, wenn andere mir Unrecht tun, mir das Leben schwer machen. Ich bin auch dann wertvoll, wenn ich das Gefühl habe „gelebt zu werden und nicht mehr selber zu leben“. Wertvoll bin ich, weil ich von Gott gewollt und bejaht bin. Das übersteigt im Grunde mein Fühlen und Begreifen, aber seine Zusagen sind verlässlicher als meine schwankenden Stimmungen, Gefühle und Gedanken. Maria ging gläubig und selbstbewusst ihren Weg – bis zur Krönung im Himmel. Wir dürfen mitgehen.
Zum Weiterdenken
Niedrige erhöhen, Hungernde beschenken, Barmherzigkeit zeigen – auch mein Leben bietet dazu ein reiches Betätigungsfeld . . .
Helmuth Zipperle, ständiger Diakon (ehrenamtlich) im Bereich Seelsorge bei Menschen mit Behinderungen und Fachinspektor für Kath. Religionsunterricht in der Diözese Innsbruck.