Von 25. bis 29. August findet schon zum 23. Mal das Filmfestival „Der Neue Heimatfilm“ in Freistadt statt. In den letzten Jahren ist das Festival stetig gewachsen; heuer wird ein Besucherrekord erwartet.
50 Filme aus über 20 Ländern werden präsentiert. Jeder Tag wird mit einem Live-Konzert, das immer auch einen Bezug zu einem der Filme im Programm hat, im Salzhof abgeschlossen. Geographisch und cineastisch ist die Programmauswahl breit gefächert. Osteuropa, Lateinamerika und der Iran sind heuer stark vertreten. Einige herausragende Filme seien hier exemplarisch vorgestellt.
Unbequeme Orte. „Medeni Mesec“ (Honeymoons), der neue Film von Goran Paskaljevic, ist die erste albanisch-serbische Koproduktion und schon aus diesem Grund politisch bedeutsam. Der Film zeigt das traurige Schicksal zweier junger Paare aus Albanien und Serbien, die ihren Lebenstraum in Italien bzw. Österreich verwirklichen wollen, dabei aber nur einen unbequemen Ort mit dem anderen tauschen.
Tränenreich. In Mohammad Rasoulofs beeindruckendem Film „Keshtzar haye sepid“ (Weiße Wiesen) rudert der Tränensammler Rahmat von Insel zu Insel und Dorf zu Dorf, um Tränen, die Menschen in ihrem Leid vergießen, in Phiolen zu sammeln. Die sind schnell gefüllt in einem Land wie dem Iran. In surrealen Bildern, die an die besten Werke von Bunuel und Jodorowski erinnern, gelingt Rasoulof eine treffende Parabel auf ein Land mit seltsamen, manchmal grausamen Riten. Der Regisseur steht für seinen radikalen Zugang neben 15 anderen Filmemachern derzeit unter Arrest.
Wertvolle Freundschaft. Der alljährliche Italienschwerpunkt bietet wie immer herausragende Filmkunst aus unserem Nachbarland. In „Centochiodi“ (Hundert Nägel) des Altmeisters Ermanno Olmi setzt ein junger Philosophieprofessor eine radikale Zäsur in seinem Leben. Bevor er sich am Ufer des Po wie ein Eremit in einem kleinen Steinhaus zurückzieht, nagelt er die wertvollsten Bücher der Institutsbibliothek auf den Boden. In der kleinen Gemeinde am Fluss wird er von den einfachen Menschen als Christusfigur gesehen, als Hoffnungsträger gegen eine gefräßige Welt, die den Lebensraum dieser Menschen nach und nach zerstört. Olmis Film ist als Parabel über die Bedeutung der Traditionen, der Natur und der Gemeinschaft angelegt. „Alle Bücher dieser Welt sind nicht so viel wert wie ein Kaffee mit einem Freund.“
Wie ein Hund. Besonders soll auch auf den neuen Film des österreichischen Dokumentarfilmers Andreas Horvath hingewiesen werden, der heuer mit dem Würdigungspreis der Stadt Freistadt ausgezeichnet wird. In „The Passion according to the polish community of Pruchnik“ filmt Horvath einen rituellen Vorgang, der als ungewöhnlich bezeichnet werden muss, wenn man es beschönigend ausdrückt. Alljährlich wird in diesem Dorf in Südostpolen am Karfreitag des Verrates von Judas an Jesus „gedacht“, indem eine überlebensgroße Puppe durch das Dorf geschleift, mit Stockhieben versehen und verbrannt wird. Das Verbrennungsritual („Verbrennen wir ihn wie einen Hund!“), an dem sich in besonderer Weise auch Kinder beteiligen, lässt einen an die Worte von Elias Canetti aus „Masse und Macht“ denken, wo es heißt: „Das eindrucksvollste von allen Mitteln der Zerstörung ist das Feuer. Es zerstört auf unwiderrufliche Weise.“