Sarah Krejza ist 14 Jahre alt und lebt in Gallneukirchen. Neben dem Schreiben von Geschichten zählt vor allem Lesen zu ihren Hobbys.
Kannst du dich erinnern? Wir haben auf der KiKi-Seite in der Ausgabe Nummer 30 versprochen, eine der eingesandten Geschichten hier zu veröffentlichen. Viel Spaß beim Lesen der phantastischen Geschichte von Sarah Krejza aus Gallneukirchen über Kurt, den Angler.
Eines schönen Sommernachmittags saß Kurt auf seinem Stammplatz am Steg. Wie jeden Sonntag angelte er das Abendessen für sich und seine Familie. Hier im Fluss gab es viele Fische. Eigentlich. Doch heute biss irgendwie keiner an. „Was ist denn los?“, fragte sich Kurt. „Ach, wie gern wüsste ich, was los ist!“
Entführung. Noch ganz in Gedanken spürte Kurt plötzlich, dass irgendwas ganz stark an seiner Angelschnur zog. Mit einer gewaltigen Kraft drückte es ihn unter Wasser. „Hilfe! Bekomme ich hier überhaupt Luft?“, fragte er sich verzweifelt. In seiner Not probierte er es einfach aus und tatsächlich, es funktionierte. Nur was tat er hier überhaupt und wieso konnte er atmen? Diese Fragen spukten in seinem Kopf herum. Leider blieb Kurt keine Zeit, über die Antworten nachzudenken, denn er schwamm auf eine massive Felswand zu. Verzweifelt versuchte er auszuweichen. Aber, oh Wunder, die Felswand tat sich auf und Kurt befand sich in einem hell erleuchteten Saal. Er sah eine lange Tafel, an der lauter Fische saßen, die aufgeregt miteinander redeten.
Goldschuppe. „Was ist denn los?“, fragte sich Kurt zum x-ten Male. Da erhob sich der große Fisch am Kopfende des Tisches und klatschte in seine Flossen. „Meine lieben Freunde. Da wir jetzt vollständig sind können wir anfangen“, sprach der große Fisch würdevoll und fügte an Kurt gewandt hinzu: „Ich hoffe, du hattest eine angenehme Reise. Goldschuppe, unsere Magierin hat sich sehr bemüht.“ Etwas verwirrt nickte Kurt. Das beantwortete zumindest seine Frage, wieso er hier unten Luft bekam.
Prophezeiung. Der Fisch zur rechten des großen Fisches erhob sich und sprach: „Danke Herr Goldflosse für die einführenden Worte. Der Heiler Kräuterschwanz hat bereits 14 erkrankte Fische zu betreuen. Wie ihr vielleicht wisst, ist vor vier Vollmonden der Magier Goldschwanz erkrankt. Er sagte, die Sterne hätten ihn vor einer sehr gefährlichen Seuche gewarnt. Diese Seuche könne unser ganzes Dorf vernichten. Nur ein Mensch, ein Feind eigentlich, könnte uns retten.“ Ein kleiner blaugrauer Fisch erhob sich und sagte: „Vor vier Vollmonden ist eine neue Familie an die Donau zu uns gezogen.“ Heiler Kräuterschwanz: „Könnten die etwas damit zu tun haben?“
Nachbarschaft. Da fiel Kurt etwas ein. Er erhob sich und sagte: „Vor ungefähr einem halben Jahr ist im Haus nebenan eine neue Familie eingezogen. Der Vater hat die Angewohnheit, jeden Monat sein Auto zu waschen. Wenn ich mich recht erinnere, fließt das schmutzige Wasser in den Fluss. Könnten die Fische davon krank geworden sein?“ „Mhm. Das ist durchaus möglich. Es sind nur Familien einer bestimmten Gegend betroffen,“ murmelte Kräuterschwanz.
Abendessen. „Kurt, könntest du deinen Nachbarn bitten, das Abwasser in den Kanal zu leiten und nicht in den Fluss?“, bat Kräuterschwanz. „Natürlich, wenn ich euch damit helfen kann gerne“, versprach Kurt: „Aber was ist mit den kranken Fischen?“ „Nun ja, bisher haben wir sie immer den Anglern zum Essen gegeben. Eigentlich könnten wir das weiterhin machen – aber nur wenn du nichts dagegen hast“, sprach Kräuterschwanz. Kurt antwortete: „Von mir aus gerne. Wenn ich bis jetzt nicht krank geworden bin, dann werde ich es auch nicht mehr werden!“ Goldflosse klatschte in seine Hände und sprach: „Das Problem hätten wir hiermit geklärt. Kurt, du kannst dich gern noch etwas in unserem Dorf umsehen.“ „Entschuldigen Sie, Herr Goldflosse, aber ich muss nach Hause. Meine Frau wartet bestimmt schon auf ihre Fische“, antwortete Kurt etwas verlegen.
Angenehme Reise. „In Ordnung. Goldschuppe wird dich wieder nach Hause bringen. Wenn du einmal Zeit hast und uns besuchen möchtest, rufe einfach nach ihr. Ach ja und vergiss nicht mit deinem Nachbarn zu sprechen. Angenehme Reise wünsche ich!“, sprach Goldflosse und winkte eine zierliche Fischdame herbei. „Danke, Herr Goldflosse. Ich werde gleich mit meinem Nachbarn sprechen und ich werde euch bestimmt besuchen kommen!“, sagte Kurt. Kaum hatte er zu Ende gesprochen, als es um ihn herum dunkel wurde.
Gute Nacht. Als es wieder hell wurde, saß Kurt auf seinem Stammplatz am Steg und in seinem Kübel waren vier Forellen. „Danke Herr Goldflosse und danke Goldschuppe. Bis zum nächsten Mal!“, sagte Kurt. Dann ging er gleich zu seinem Nachbarn. Der versprach, sein Auto künftig in die Waschanlage zu stellen. Kurt ging zufrieden nach Hause. Am Abend erzählte er seinen Kindern eine eigene Gute-Nacht-Geschichte. Wisst ihr, worum es da ging? Ich habe da so eine Ahnung …