Es geht um finanzielle Machenschaften im Italien der 1990er Jahre. Die allermeisten involvierten Personen sind in Österreich so gut wie unbekannt. Doch das Buch, das diese Vorgänge beschreibt, steht seit April 2010, seit Erscheinen im deutschen Sprachraum, auf den Bestsellerlisten. Es trägt den Titel „Die Vatikan AG“. Gianluigi Nuzzi analysiert darin den zwielichtigen Teil der Aktivitäten der Vatikanbank IOR, die mitten in den Sumpf der italienischen Innenpolitik führen. Die Informationen lieferte der Priester Renato Dardozzi (1922-2003), der testamen-tarisch sein Archiv dem Journalisten Nuzzi vermachte. In Italien mag der Inhalt aktuell sein, im Österreich sind vermutlich die wenigsten über die Anfangskapitel hinausgekommen, weil das Buch so strohtrocken ist. Aber um den Inhalt geht es in Österreich gar nicht. Der Verkaufserfolg gilt quasi als ein „Gradmesser“, wie Menschen hierzulande zur Kirche eingestellt sind. Leider. So zeigt sich Woche für Woche, wie sehr die Fälle von Missbrauch – sie sind wohl der Hauptgrund – das Vertrauen in die Kirche nachhaltig beschädigt haben. Die „Vatikan AG“ muss dringend von der Bestseller-Liste runter. Das wäre ein Zeichen, dass verlorenes Vertrauen zurückgewonnen ist.