21. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr C), 22. August 2010
Ausgabe: 2010/33, 21. Sonntag im Jahreskreis, Helmuth Zipperle, ständiger Diakon, Wort zum Sonntag, Gebet eines Dalit, Indien, steiniger Weg, Evangelium, Lesung, verschlossene Türen, offene Türen,
18.08.2010
Nicht jeder Weg ist einfach und bequem zu gehen, manchmal kann es auch recht steil und anstrengend werden. Zugegeben, das sind Binsenweisheiten. Erschlaffte Hände wieder stark machen und wankende Knie wieder fest, dazu fordert der Hebräerbrief auf. Und Jesus spricht davon, sich mit allen Kräften zu bemühen, um „durch die enge Tür zu gelangen“. Verkrustetes aufbrechen, über den eigenen Schatten springen, den eigenen bequemen, gleichgültigen Seiten entgegentreten, sich hinterfragen lassen . . . Jesu Weg ist eine Einladung zum Mitgestalten, Mittragen, Mitgehen . . . auch wenn es nicht immer einfach sein wird.
Evangelium
Lk 13, 22–30
Auf seinem Weg nach Jerusalem zog er von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf und lehrte. Da fragte ihn einer: Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden? Er sagte zu ihnen: Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen; denn viele, sage ich euch, werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen. Wenn der Herr des Hauses aufsteht und die Tür verschließt, dann steht ihr draußen, klopft an die Tür und ruft: Herr, mach uns auf! Er aber wird euch antworten: Ich weiß nicht, woher ihr seid. Dann werdet ihr sagen: Wir haben doch mit dir gegessen und getrunken, und du hast auf unseren Straßen gelehrt. Er aber wird erwidern: Ich sage euch, ich weiß nicht, woher ihr seid. Weg von mir, ihr habt alle Unrecht getan! Da werdet ihr heulen und mit den Zähnen knirschen, wenn ihr seht, dass Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes sind, ihr selbst aber ausgeschlossen seid. Und man wird von Osten und Westen und von Norden und Süden kommen und im Reich Gottes zu Tisch sitzen. Dann werden manche von den Letzten die Ersten sein und manche von den Ersten die Letzten.
1. Lesung
Jes 66, 18–21
Ich kenne ihre Taten und ihre Gedanken und komme, um die Völker aller Sprachen zusammenzurufen, und sie werden kommen und meine Herrlichkeit sehen. Ich stelle bei ihnen ein Zeichen auf und schicke von ihnen einige, die entronnen sind, zu den übrigen Völkern: nach Tarschisch, Pul und Lud, Meschech und Rosch, Tubal und Jawan und zu den fernen Inseln, die noch nichts von mir gehört und meine Herrlichkeit noch nicht gesehen haben. Sie sollen meine Herrlichkeit unter den Völkern verkünden. Sie werden aus allen Völkern eure Brüder als Opfergabe für den Herrn herbeiholen auf Rossen und Wagen, in Sänften, auf Maultieren und Dromedaren, her zu meinem heiligen Berg nach Jerusalem, spricht der Herr, so wie die Kinder Israels ihr Opfer in reinen Gefäßen zum Haus des Herrn bringen. Und auch aus ihnen werde ich Männer als Priester und Leviten auswählen, spricht der Herr.
2. Lesung
Hebr 12, 5–7. 11–13
[. . .] und ihr habt die Mahnung vergessen, die euch als Söhne anredet: Mein Sohn, verachte nicht die Zucht des Herrn, verzage nicht, wenn er dich zurechtweist. Denn wen der Herr liebt, den züchtigt er; er schlägt mit der Rute jeden Sohn, den er gern hat. Haltet aus, wenn ihr gezüchtigt werdet. Gott behandelt euch wie Söhne. Denn wo ist ein Sohn, den sein Vater nicht züchtigt? [. . .] Jede Züchtigung scheint zwar für den Augenblick nicht Freude zu bringen, sondern Schmerz; später aber schenkt sie denen, die durch diese Schule gegangen sind, als Frucht den Frieden und die Gerechtigkeit. Darum macht die erschlafften Hände wieder stark und die wankenden Knie wieder fest, und ebnet die Wege für eure Füße, damit die lahmen Glieder nicht ausgerenkt, sondern geheilt werden.
Sanftmütiger Gott
Sanftmütiger Gott, der du uns in Jesus Christus gezeigt hast, was Demut und Mitleidenschaft bedeuten, wir danken dir für deine bedingungslose Liebe. Vergib uns unsere Gleichgültigkeit und unseren Stolz. Gib uns Kraft, uns einzusetzen für Gerechtigkeit, für diejenigen, die unterdrückt sind und an Leib und Seele zerbrochen.
Mitleidenschaftlicher Jesus, lehre uns deine Jünger zu werden in unserer Zeit und an allen Orten. Hilf uns Haltungen und Strukturen zu verändern, die Menschen versklaven.
Göttliche Weisheit, Heiliger Geist, in deiner Gnade verwandle die Welt in uns und durch uns. Reinige unsere Herzen und erneuere unseren Geist. Bereit mit unseren Händen zu dienen und Taten der Befreiung zu vollbringen beten wir demütig um Mut und Inspiration, um deinen Willen zu erfüllen, von heute an, in Jesu Namen.
Gebet eines Dalit („unberührbarer“) aus Indien
Wort zum Sonntag
Enge Türen öffnen
Sind sie schon einmal vor verschlossenen Türen gestanden – bei amtlichen Erledigungen, nach einer längeren Parkplatzsuche oder bei einem Einkauf in letzter Minute? Die Tür begegnet uns in der Bibel oft als Symbol für Erwartung, Begegnung, Neubeginn. Eine offene Tür lädt mich ein, Gastfreundschaft anzunehmen, zu pflegen. Eine geschlossene Tür kann mir Sicherheit geben und Schutz. Eine offene Tür hilft mir, andere Kulturen, Lebensweisen, Religionen besser zu verstehen; eine geschlossene kann mich aber auch vor anderen verschließen. Offene Türen ermöglichen ein gutes Wort, eine zärtliche Geste, die dem anderen/der anderen weiterhilft. Ist die Tür geschlossen, hilft sie mir, mich zurückzuziehen, Enttäuschung, Ohnmacht auszuhalten, Kraft zu schöpfen. Und wenn eine Tür auch nur einen Spalt offen ist, so kann ich darin vielleicht eine Einladung zur Versöhnung, zu einem Gespräch, zu einem Neuanfang entdecken.
Jesus erzählt in seiner anschaulichen und bildhaften Sprache von einer besonderen Tür. „Bemüht euch mit allen Kräften durch die enge Tür zu gelangen!“ Diese enge Tür kann viel bedeuten: Versuchen, über den eigenen Schatten zu springen; Eingefahrenes, Verkrustetes neu zu beleben; Unverbindlichkeiten in meinem Leben entdecken und klären; den oberflächlichen, gleichgültigen, bequemen Seiten in mir einmal bewusst entgegenzutreten. Jesus ermutigt damit auch zum Mitgestalten, Mittragen, Mitleiden. Die „enge Tür“ stellt mich auch vor die Frage: Wo weiche ich aus, hab zu allem und jedem eine Meinung beziehungsweise wo stehe ich zu etwas und bin dadurch angreifbar und verletzbar? Durch die enge Tür zu gelangen, ist eine Lebenshaltung, die nach außen hin manchmal unattraktiv, schwierig, unrentabel zu sein scheint, doch ist sie letztlich ein Weg zu einem inneren Frieden, der in die Weite führt.
Zum Weiterdenken
Mit allen Kräften durch die enge Tür gelangen. Wem hab ich in letzter Zeit eine Tür zugeschlagen? Hab ich eine offene Tür übersehen? Wem sollte ich eine Tür aufmachen? Wer öffnet mir?
Helmuth Zipperle, Ständiger Diakon (ehrenamtlich) im Bereich Seelsorge bei Menschen mit Behinderungen und Fachinspektor für Kath. Religionsunterricht in der Diözese Innsbruck.