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Kein Prophet für gute Zeiten

Neue Professorin für Altes Testament in Linz war Hauptreferentin der Bibeltagung
Ausgabe: 2010/34, Prophet, Gillmayr-Bucher, Studientagung, Bibelwerk, Ezechiel, Jerusalem
25.08.2010
- Josef Wallner
Univ.Prof. Dr. Susanne Gillmayr-Bucher lehrt ab Herbst 2010 Altes Testament an der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz. Sie wurde 1962 in Innsbruck geboren, studierte Germanistik und Theologie, 2002 habilitierte sie sich an der KTU Linz. Ab 2004 war sie Professorin für biblische Theologie an Technischen Hochschule Aachen. Sie tritt in Linz die Nachfolge von Univ.Prof. Dr. Franz Hubmann an.




Auf großes Interesse ist die erste Bibelpastorale Studientagung des Linzer Bibelwerks im Bildungshaus Schloss Puchberg gestoßen. 130 Teilnehmer/innen setzten sich mit der Botschaft des Propheten Ezechiel auseinander. Die biblischen Impulse gab Univ.Prof. Susanne Gillmayr-Bucher, ab Herbst in Linz.

Ezechiel versucht angesichts der „totalen Katastrophe“, der Zerstörung Jerusalems und der Deportation eines Teils der Bewohner/innen die theologischen Zusammenhänge neu zu buchstabieren, umreißt Gillmayr-Bucher die Absicht des Buches Ezechiel. Die vertraute Lebenswirklichkeit zerbrach für die von den Babyloniern ins Exil deportierten Menschen und so stellt sich die Frage, ob das, woran man bisher geglaubt hat, überhaupt noch gilt. Der Prophet deutet die Situation „gnadenlos“ als Schuldverstrickung des Volkes und die Katastrophe als Strafe. Doch nicht Zufall und Chaos regieren die Welt, sondern auch in der Katastrophe handelt Gott. Schritt für Schritt versucht er seine Leser/innen zu überzeugen, dass Gott durch die Vernichtung hindurch retten und einen Neuanfang, „ein neues Herz und einen neuen Geist“ (Ez 36) schenken wird. Gillmayr-Bucher: „Ezechiel ist kein Prophet für ,gute Zeiten‘, seine Botschaft beginnt am Tiefpunkt.“ Seine drastische Bildsprache nimmt die schrecklichen Erfahrungen der Menschen auf. Ezechiel fordert eine Anerkennung der eigenen Schuld und Schuldverstrickung, aber er schafft auch Raum für Klage. Dabei hält Ezechiel die Hoffnung wach, dass Gott rettend eingreifen kann und wird.

In den Wortraum eintreten. Gerold Lehner, Superintendent der evangelischen Kirche Oberösterreich, fragte in seinem Grußwort, wie es Christen gelingen könne, sich nicht der Oberflächlichkeit dieser Welt anzupassen: „Wir können uns erneuern, wenn wir in den Wort- und Wirklichkeitsraum der Propheten, Jesu Christi und der Apostel eintreten und die Bibel als Quelle der Inspiration und Provokation nutzen.“
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