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Der Tisch ist gedeckt

22. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr C), 29. August 2010
Ausgabe: 2010/34, Sonntag, Neuland, Helmuth Zipperle, Evangelium, Lesung, Hebräer, Jesus Sirach, Lukas, Platz nehmen, Platz geben, Wort zum Sonntag, Almut Haneberg, Gäste, Rangordnung, Arme, Dienen, Jesus von Nazareth
25.08.2010
Alles ist fertig vorbereitet, die Gäste sind bereits am Kommen. Einer dieser geladenen Gäste wird plötzlich zum unbequemen Gast, er kritisiert jene, die sich die besten Plätze aussuchen. Peinlich könnte es für sie werden, müssten sie ihren Platz räumen, in dieser Gesellschaft mit strenger Rangordnung. „. . . wenn du ein Essen gibst, dann lade Arme . . . ein. Du wirst selig sein, denn sie können es dir nicht vergelten“.


Evangelium


Lukas 14, 1. 7–14

Als Jesus an einem Sabbat in das Haus eines führenden Pharisäers zum Essen kam, beobachtete man ihn genau. [. . .] Als er bemerkte, wie sich die Gäste die Ehrenplätze aussuchten, nahm er das zum Anlass, ihnen eine Lehre zu erteilen. Er sagte zu ihnen: Wenn du zu einer Hochzeit eingeladen bist, such dir nicht den Ehrenplatz aus. Denn es könnte ein anderer eingeladen sein, der vornehmer ist als du, und dann würde der Gastgeber, der dich und ihn eingeladen hat, kommen und zu dir sagen: Mach diesem hier Platz! Du aber wärst beschämt und müsstest den untersten Platz einnehmen. Wenn du also eingeladen bist, setz dich lieber, wenn du hinkommst, auf den untersten Platz; dann wird der Gastgeber zu dir kommen und sagen: Mein Freund, rück weiter hinauf! Das wird für dich eine Ehre sein vor allen anderen Gästen. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden. Dann sagte er zu dem Gastgeber: Wenn du mittags oder abends ein Essen gibst, so lade nicht deine Freunde oder deine Brüder, deine Verwandten oder reiche Nachbarn ein; sonst laden auch sie dich ein, und damit ist dir wieder alles vergolten. Nein, wenn du ein Essen gibst, dann lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein.
Du wirst selig sein, denn sie können es dir nicht vergelten; es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten.


1. Lesung


Jesus Sirach 3, 17–18. 20. 28–29

Mein Kind, bei all deinem Tun bleibe bescheiden, und du wirst mehr geliebt werden als einer, der Gaben verteilt. Je größer du bist, umso mehr bescheide dich, dann wirst du Gnade finden bei Gott. [. . .] Denn groß ist die Macht Gottes, und von den Demütigen wird er verherrlicht. [. . .] Für die Wunde der Übermütigen gibt es keine Heilung, denn ein giftiges Kraut hat in ihm seine Wurzeln. Ein weites Herz versteht die Sinnsprüche (der Weisen), ein Ohr, das auf die Weisheit hört, macht Freude.


2. Lesung


Hebräer 12, 18–19. 22–24a

Denn ihr seid nicht zu einem sichtbaren, lodernden Feuer hingetreten, zu dunklen Wolken, zu Finsternis und Sturmwind, zum Klang der Posaunen und zum Schall der Worte, bei denen die Hörer flehten, diese Stimme solle nicht weiter zu ihnen reden. [. . .] Ihr seid vielmehr zum Berg Zion hingetreten, zur Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, zu Tausenden von Engeln, zu einer festlichen Versammlung und zur Gemeinschaft der Erstgeborenen, die im Himmel verzeichnet sind; zu Gott, dem Richter aller, zu den Geistern der schon vollendeten Gerechten, zum Mittler eines neuen Bundes, Jesus [. . .]



Neuland betreten


komm, wir gehen in die zukunft
ein schritt noch und wir betreten das neuland heute
das leben lockt, begegnungen warten
helles und dunkles liegt vor uns
wie du das neue empfängst ist bedeutsam
angst ist keine gute ratgeberin
lass dich von der hoffnung leiten
und vom vertrauen
höre auf dein herz, achte auf deine träume
der weg wächst im gehen
unsere schritte tasten ins licht

Almut Haneberg



Wort zum Sonntag


Platz nehmen – Platz geben

Eine bekannte Szene: Empfang, festlich gedeckte Tische, geladene hochrangige Gäste. Jede „Seitenblicke“-Redaktion hätte ihre Freude daran. Doch diesmal kommt es anders. Es steht einer auf, bemerkt, wie sich Gäste ins Rampenlicht rücken, sich jene Plätze aussuchen, wo man sich gut präsentieren und positionieren kann – eben seitenblickegerecht. Dieser Mann, der bekannt war dafür, dass er gerne Kontakt hat mit Menschen, die alles andere als seitenblickewürdig waren, dieser Mann brachte die feine geschlossene Gesellschaft ziemlich durcheinander. Unter anderem sagte er: „Wenn du ein Essen gibst, dann lade Arme, Krüppel, Lahme, Blinde ein.“ Sie können sich nicht revanchieren, sie können es dir nicht vergelten.
Diesem Mann, Jesus von Nazareth, geht es um eine einfühlsame, mutige, dienende Grundentscheidung für den Menschen. Es geht ihm um Verzicht auf jegliche Form von Herrschaftsanspruch, Positionskämpfen, Beteiligung bei Hackordnungen in Familien, Betrieben, Gemeinschaften. Im Sinne Jesu ist deshalb der Weg des Dienens eher eine Karriereleiter nach unten. In einer dienenden Grundhaltung darf letztlich die heilende Dimension des Christseins spürbar werden.
„Dienen“ ist in vieler Hinsicht ein provozierendes Wort; manchmal abwertend, unattraktiv, manchmal tröstlich, aufbauend. Dienen ist nie gleich Befehle empfangen! Dienen meint auch nicht, im sozialen Überengagement aufgehen zu müssen. Im Dienen, im behutsamen Sich-Zurücknehmen, gibt man Mitmenschen die Möglichkeit, ihre Talente und Fähigkeiten zu entfalten. Dienen bedeutet aber auch, die Situation von Menschen am Rand zur Sprache zu bringen, ob es passt oder nicht. Gerade im Dienen lernt man die Lebenswirklichkeit der Menschen auf ganz andere und besondere Weise kennen. Dazu will Jesus ermutigen.

Zum Weiterdenken

Welche Einladung schiebe ich schon eine Zeit lang vor mir her? Welche „Hackordnung“ hat sich im Laufe meines Lebens in mir entwickelt? Was zählt – wer zählt in meinem Denken?


Helmuth Zipperle, Ständiger Diakon (ehrenamtlich) im Bereich Seelsorge bei Menschen mit Behinderungen und Fachinspektor für Kath. Religionsunterricht in der Diözese Innsbruck.

sonntag@kirchenzeitung.at
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