Ausgabe: 2010/34, Ganz großes Kino, The Arcade Fire, The Suburbs, Klaus Rauscher, CD-Tipp,
25.08.2010
- Klaus Rauscher
Nachdem „Funeral“ und „Neon Bible“ schon als Alben für die Ewigkeit beweihräuchert wurden (und das völlig zu Recht), waren die Erwartungshaltungen für „The Suburbs“ so hoch, dass sie kaum einlösbar schienen. Der 30. Juli belehrte uns dann eines Besseren: Das neue Arcade-Fire-Album stand endlich in den Läden – und wie diese neuen Songs strahlen. Win Butler und seine Band scherten sich einen Dreck um irgendwelche Erwartungen und kommen mit einer nie dagewesenen Gelassenheit daher. Auf „The Suburbs“ entwerfen sie ein düsteres Bild von den Vorstädten ihrer Jugendtage, wo nichts als Tristesse und Monotonie zurückgeblieben sind: „Took a drive into the sprawl, to find the places we used to play / It was the lonliest day of my life“. Ohne den Bombast und den orchestralen Sound früherer Tage entwerfen The Arcade Fire einen neuen Kosmos eines subtilen Minimalismus, ohne dabei den bandeigenen Sound zu opfern. So kommt der Opener in einer legeren Schunkelnummer daher und „Ready To Start“ braucht keine mächtige Kirchenorgel, sondern begnügt sich mit dem simplen Sound eines Casio, um zu überzeugen. Einzig „Empty Room“ fährt mit hysterischen Geigen an und das wütende „Month Of May“ setzt dem Punkrock ein kleines Denkmal. Danach wird’s beschaulich ruhig in den Suburbs und The Arcade Fire enden mit dem Wunsch „I need the darkness, someone please cut the light“. Ganz großes Kino.
- The Arcade Fire – The Suburbs (erschienen bei City Slang)